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Arbeit 4.0 - made in Berlin

Im Dialog zum Thema Arbeit 4.0 geht es um verschiedene Themen rund um Digitalisierung im Arbeitsumfeld. Diskutieren Sie mit!

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Meinung II: „Arbeiten 4.0“ und die Bedeutung der (Weiter-) Bildung für den digitalen Transformationsprozess

Vor zwei Jahren hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den Dialogprozess „Arbeiten 4.0“ gestartet. Mit der Vorlage des Weißbuches „Arbeiten 4.0“ Ende 2016 ist der Prozess nun vorerst abgeschlossen. Die wichtigsten Vorschläge zu einer Qualifizierung 4.0 im Überblick.

Von Thorben Albrecht, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Fortschritt kommt nicht automatisch mit der Automatisierung. Fortschritt muss gestaltet und manchmal auch erstritten werden. Deshalb hat das BMAS vor zwei Jahren den Dialogprozess „Arbeiten 4.0“ gestartet. Mit der Vorlage des Weißbuches „Arbeiten 4.0“ Ende 2016 haben wir diesen Prozess nun vorerst abgeschlossen. Hinter uns lagen viele Monate intensiver und manchmal auch kontroverser Debatten. Meine persönliche Bilanz aus den vielen Gesprächen, Veranstaltungen und Unternehmensbesuchen ist: Es ist uns gelungen, im Austausch mit wichtigen Gestaltungspartnern dem Thema „Wandel der Arbeitswelt“ Konturen und Gewicht zu geben und dabei neben dem Technisch-Wirtschaftlichen den arbeitenden Menschen in den Fokus zu rücken.

Denn wir wissen nicht mit Sicherheit, welche neue Technologie oder welches Geschäftsmodell als nächstes auf uns zukommt und vielleicht massivere Auswirkungen hat, als die bisherigen. Was wir aber wissen ist, dass der Erhalt der individuellen Beschäftigungsfähigkeit immer wichtiger werden wird. Es wird weniger die Sicherung eines konkreten einzelnen Arbeitsplatzes im Fokus stehen. Vielmehr wird es darum gehen, die Beschäftigungsoptionen für jede und jeden deutlich zu erhöhen.

Unsere wichtigste Antwort auf den digitalen Strukturwandel ist deshalb eine umfassende, langfristig ausgerichtete Qualifizierungs- und Weiterbildungsstrategie.

Auf die Jobs von morgen vorbereiten: die Arbeitsversicherung

Die Umbrüche der Arbeitswelt 4.0 erfordern es, frühzeitig in die Stärkung der Qualifikation und die Verbesserung von Aufstiegsperspektiven zu investieren. Nur damit stellen wir sicher, dass das Angebot an Fachkräften zu der Nachfrage von morgen passen wird. Dabei werden auch in Zukunft Unternehmen und Betriebsräte gefragt sein, die notwendige Weiterbildung aller Beschäftigten zu sichern. Aber auch die Arbeitsmarktpolitik muss stärker präventiv ausgerichtet sein und darf nicht nur bei geringer Qualifikation oder bei unmittelbar drohendem Arbeitsplatzverlust greifen. Denn Qualifizierung ist im digitalen Zeitalter die beste Arbeitsversicherung.

Es muss dabei unser Ziel sein, alle Menschen mitzunehmen. Un- und Angelernte dürfen nicht "aufgegeben" werden, sondern müssen z.B. mit nachholenden Berufsabschlüssen gefördert werden. Und es wird auch bei den qualifizierten Beschäftigten zukünftig ein "Upskilling" notwendig sein, da kognitive und interaktive Tätigkeiten immer mehr an Bedeutung gewinnen. In dem Maße, in dem der Anteil an Routinetätigkeiten abnimmt, werden ihre Tätigkeiten daher wissensintensiver werden.

Dafür brauchen wir eine starke Bundesagentur für Arbeit. Wir haben bereits damit begonnen, Qualifizierungsberatung als Modellprojekt einzuführen. Langfristiges Ziel ist es, die Arbeitslosenversicherung zu einer Arbeitsversicherung weiterzuentwickeln, die auch Leistungen für Beschäftigte anbietet. Ein wichtiges Element ist hierbei das Recht auf eine unabhängige Berufs- und Weiterbildungsberatung; perspektivisch sogar ein Recht auf Weiterbildung, um Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.

Und wenn es sozialpolitisch unser Ziel ist, die Selbstbestimmung zu stärken, die Beschäftigungsfähigkeit in der Perspektive des Lebensverlaufs zu stabilisieren und Übergänge zu unterstützen, dann braucht es dafür Zeit und Geld: Nicht jeder kann sich z. B. eine Auszeit für eine längere Qualifizierung leisten.

Hier setzt das Konzept eines Persönlichen Erwerbstätigenkontos an, das wir im Weißbuch vorschlagen. Es sieht vor, junge Erwerbstätige mit einem Startkapital auszustatten, das für Qualifizierung, eine Gründungsphase oder private Auszeiten genutzt werden kann. Es könnte darüber hinaus auch als Langzeitkonto mit eigenen Einzahlungen geführt werden. Es ist klar: Ein solches Konto kommt nicht von heute auf morgen. Wir wollen an der Idee aber dran bleiben und sie weiterverfolgen.