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Arbeit 4.0 - made in Berlin

Im Dialog zum Thema Arbeit 4.0 geht es um verschiedene Themen rund um Digitalisierung im Arbeitsumfeld. Diskutieren Sie mit!

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Impuls II - Digitales Lernen: der Mensch im Mittelpunkt.

Dank Internet und Co. ist Lernen heute einfacher als jemals zuvor. Inhalte sind jederzeit und in hoher Qualität frei verfügbar – sogar der Kurs an der Eliteuniversität. Für Bildungsexpertin Dr. Julia Behrens von der Bertelsmann Stiftung sind wir so nah wie nie an guter und bezahlbarer Bildung für alle.

YouTube ist zu einer der wohl größten „Lernplattformen“ weltweit geworden. Probleme im Haushalt, handwerkliche Fragen, komplexe gesellschaftliche Herausforderungen kompakt dargestellt – die Webseite bietet zu fast jeder nur erdenklichen Frage gleich mehrere Videos: Lernen wann und wo ich will. Und so oft ich will, denn das Video kann ich jederzeit anhalten und von vorne starten. Im analogen Präsenzseminar ist das nicht möglich.

Die Digitalisierung versöhnt dabei zwei scheinbar unvereinbare Aspekte: individuell zugeschnittenes Lernmaterial und gleichzeitig die massenhafte, raum- und zeitunabhängige Verfügbarkeit des Materials. Damit hat eines der fundamentalsten Prinzipien rund um das Lernen ausgedient: für alle dieselbe Übung zur selben Zeit am selben Ort.

Längst gibt es Lernspiele, die sich ad hoc an die Bedürfnisse der Nutzer anpassen, den Schwierigkeitsgrad langsam erhöhen, direktes Feedback geben und so sehr viel Motivation erzeugen können. Oft ist auch die Interaktion mit anderen Spielern möglich. So wie die industrielle Revolution die Gesellschaft grundlegend verändert hat, so verändert auch die digitale Revolution alle Lebensbereiche.

Digitales Lernen ist weit mehr als eine neue Methode. Dahinter steht ein Traum: Passendes Lernen für jeden zu ermöglichen, egal in welcher Situation und mit welcher Ausgangslage. Und das erfordert ein Umdenken und Hinterfragen der eingefahrenen Rollen, in denen Lehrende vor allem Wissensvermittler sind und Lernende oft noch in erster Linie passive Rezipienten.

In einer digitalen Welt wird der Lehrende zum Lernbegleiter und -berater, der so viel wie nötig unterstützt aber so wenig wie möglich vorgibt. Er steht als Gesprächspartner zur Verfügung, vermittelt Lernmethoden, leitet zum eigenen Lernen an und motiviert. Der Lernende wird verantwortlich für seinen eigenen Lernprozess und kann ihn bewusst steuern und organisieren. Lernen wird dadurch sicher auch für viele, die sich im klassischen Unterricht fremdbestimmt fühlen, interessanter. Das große Ziel gute und bezahlbare Bildung für alle zu ermöglichen rückt dadurch ein Stück weit näher.

Dabei geht es gar nicht darum, jetzt alles zu digitalisieren. Den Lehrer zu ersetzen ist nicht zielführend und Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Es kommt drauf an, sie in den Dienst einer besseren Pädagogik zu stellen. Das Potential des digitalen Lernens können wir nur ausschöpfen, wenn wir unser Verständnis von Lernen und Lehren kritisch hinterfragen und auch liebgewonnene Muster verabschieden, wo sie hinderlich geworden sind.

Jetzt sind Sie gefragt: Teilen Sie die Auffassung der Autorin – sind wir so nah wie nie an guter, bezahlbarer Bildung für alle? Bieten neue Lernformen einen inklusiven Zugang zu Bildung oder sind sie vor dem Hintergrund einer digitalen Spaltung auch kritisch zu sehen? Welche Lehr- und Lernformate nutzen Sie zu Hause, am Arbeitsplatz oder für die Weiterbildung? Wie etablieren Sie neue Lehr- und Lernformen in Ihrem Unterricht? Wann und unter welchen Umständen lernen Sie am liebsten, wie beurteilen Sie die zunehmende Selbstverantwortlichkeit für den eigenen Lernprozess?

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.