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Meinung I: Gemeinsam digitale Spaltung überwinden

Die Digitalisierung ist vom Mensch gemacht. Vom Mensch wird sie auch gestaltet, sagt Klemens Himpele, Abteilungsleiter Wirtschaft, Arbeit und Statistik bei der Stadt Wien. Gute Arbeit 4.0 ist für ihn der Schlüssel – und den Städten in Europa kommt eine besondere Bedeutung zu.

Es ist inzwischen ein Allgemeinplatz: Die Digitalisierung wird unsere Arbeitswelt verändern. Dabei setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass es eine Verschiebung der Beschäftigung geben wird. Ob dies auch zu einer quantitativen Veränderung der Arbeitsplätze führt, ist hingegen strittig. Die einstigen Meldungen von einem Minus von bis zu 50 Prozent der Jobs scheinen jedenfalls nicht mehr Teil der Debatte zu sein.

Die Veränderung der Arbeitswelt ist nichts Neues; schon immer sind neue Berufe entstanden und andere Berufe verschwunden, schlicht, weil es keine Notwendigkeit mehr für diese Tätigkeiten gab. Der technische Fortschritt, der diese Veränderungen mit sich gebracht hat, ist grundsätzlich zu begrüßen. Ein Mehr an technischen Möglichkeiten bedeutet ein Mehr an Wohlstand – was allerdings noch nichts über dessen Verteilung aussagt. Insbesondere sind die Veränderungen der Arbeitswelten auch in der Vergangenheit nicht friktionsfrei vonstattengegangen. Immer gab es GewinnerInnen und VerliererInnen. Deshalb ist die Politik gefragt, den technischen Wandel zu gestalten.

Damit ist aber auch klar: Die Digitalisierung kann gestaltet werden! Sie kommt nicht über uns, sondern wir machen sie. Wir stehen daher vor großen Herausforderungen: Durch die Digitalisierung stellen sich die Fragen der Arbeitsgestaltung (Arbeitsrecht), der sozialen Absicherung und der Finanzierung des Sozialstaates, der Sicherung der Steuereinnahmen, des Datenschutzes und der Verteilung von Arbeit, Einkommen und Vermögen wieder ganz neu. Vieles davon findet auf Ebene der Europäischen Union und der Ebene der Nationalstaaten statt, aber auch die Städte sind gefordert.

Ein großes Thema der Zukunft ist die sogenannte digitale Spaltung. Hierbei geht es um die Gefahr, dass nur ein Teil der Menschen in der Lage sein wird, die Digitalisierung auch zu nutzen. Einerseits schlicht technisch: Man muss die entsprechenden Geräte und Anwendungen bedienen können, was im Laufe der Zeit  vermutlich ein immer größerer Teil der Menschen kann.

Andererseits – und das scheint mir fast der wichtigere Punkt zu sein – sozial und ökonomisch. Digitale Services sind oft auf das Vorhandensein günstiger Arbeitskraft angewiesen (man denke an das Thema der Lieferungen). Und man muss sie sich leisten können. Durch moderne Technologien wird es einfacher, Zusatzentgelte für bestimmte angeblich „exklusive“ Dienstleistungen zu verlangen (z.B HD-Fernsehen, Champions League, hyperschnelles vs. superschnelles mobiles Internet), für Tagstrom mehr zu verrechnen oder Produktpreise individuell auf den Konsumenten/die Konsumentin zuzuschneiden (z.B. durch KundInnenkarten), meist zu deren Nachteil.

Damit droht die Digitalisierung aber GewinnerInnen und VerliererInnen zu erzeugen: Gewinnen werden die, die sich die entsprechenden Services auch auf Grund deregulierter Arbeitsverhältnisse leisten können. Verlieren werden Menschen in entwerteten Berufen, die gegebenenfalls zusätzlich einer verstärkten internationalen Konkurrenz ausgeliefert sind und die mangels ökonomischen Kapitals vom sozialen und kulturellen Leben teilweise ausgeschlossen werden. Hier wird einerseits (neu) zu definieren sein, was Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge ist, andererseits wird es darum gehen, die Prinzipien der „Guten Arbeit“ flächendeckend durchzusetzen.

Daneben spielt das Thema Bildung und Qualifikation eine entscheidende Rolle.  Bei der Schaffung von Arbeitsplätzen steht weiterhin die makroökonomische Nachfrage im Mittelpunkt; auf individueller Ebene sind Qualifikationen dennoch wichtig, sie können dabei helfen, Passungsprobleme auf dem Arbeitsmarkt zu reduzieren.

Man kann hier drei wichtige Handlungsansätze definieren: Erstens geht es um Medienkompetenz. Das reicht von der Bewertung von Quellen bis zur Frage, was mit Medien gemacht werden kann und welche Wirkung diese haben. Zweitens geht es darum,  zu gestalten und nicht nur zu konsumieren. In vielen Städten (auch in Wien) gibt es dazu Coding Schools u.ä., um den Zugang zu den Technologien der Digitalisierung zu verbessern. Drittens geht es natürlich um Ausbildungsmöglichkeiten für all jene, die im Berufsfeld selbst arbeiten wollen; und darum, neue Personengruppen für diese Berufe zu begeistern.

Wenn wir über die Folgen der Digitalisierung sprechen, ist aber klar: Kompetenzen sind oft nicht spezifisch technische, und die digitale Spaltung droht vor allem auf dem Arbeitsmarkt.

Die Stadt Wien hat im Herbst 2016 den Vorsitz im Economic Development Forum (EDF) beim europäischen Städtenetzwerk EUROCITIES übernommen. Klemens Himpele, Abteilungsleiter Wirtschaft, Arbeit und Statistik vertritt Wien dabei auf Verwaltungsebene. Mehr...

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