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Smart City Strategie Berlin

Das Land Berlin entwickelt eine neue Smart City Strategie - und die ganze Stadtgesellschaft schreibt mit!

Kommentierung des Strategischen Rahmens der Smart City Strategie aktiv
Ab Ende April sind Sie eingeladen, den die Erstfassung des Strategischen Rahmens zu kommentieren. Dieser Text basiert auf den Ergebnissen der unterschiedlichen Beteiligungsformate in der Konzeptphase. Jetzt wollen wir wieder von Ihnen hören. Finden Sie sich in dem Text wieder?

Zukunftsperspektiven - Raumbezüge

Die Zukunftsperspektiven der Berliner Smart City beschreiben Wege in Richtung Nachhaltigkeit, Resilienz, Gemeinwohlorientierung und neue Kooperationsmodelle. Sie zeigen auf, wohin sich die Stadt in ambitionierten Zielkorridoren entwickeln kann und will. Für diese erste Version des Strategischen Rahmens wurden übergreifende Zukunftsperspektiven identifiziert, die für die Ziele und Maßnahmen der Smart City-Strategie grundlegend sind. Im nächsten Schritt der Strategieentwicklung werden sie mit konkreten Maßnahmen unterlegt, um langfristig eine hohe Lebensqualität in der Stadt zu ermöglichen.

Grundlage für das Herausarbeiten der Zukunftsperspektiven ist die Auswertung der ersten Beteiligungsphase (1). Die umfangreichen qualitativen Beiträge wurden durch eine übergreifende Verschlagwortung unterschiedlichen Kategorien zugeordnet, die international zur Messung städtischer Lebensqualität verwendet werden. Zusätzlich dazu, wurden sie im Zusammenhang mit maßgeblichen Ökosystemleistungen betrachtet, von denen das Wohlergehen aller abhängig ist (DEAL City Portrait).

Dieser Ansatz forciert einen systemischen Blick auf digitale Stadtentwicklung, der soziale und ökologische Aspekte zusammendenkt. Durch die Kombination von offensichtlichen und zukunftsrelevanten Indikatoren können in der weiteren Entwicklung der Berliner Smart City-Strategie vorausschauende Entscheidungen getroffen werden.

Die aktuellen Zukunftsperspektiven zeigen untereinander vernetzte Bereiche auf, in denen – aufbauend auf der Beteiligung – ein hoher Wunsch und Wille erkennbar ist. So lassen sich zwei Tendenzen unterscheiden:

  • Raumbezüge mit lokalem, städtischem, regionalem und globalem Fokus, die Ziele bestehender Berliner Stadtstrategien und Stadtentwicklungspläne aufgreifen, sie miteinander verknüpfen und in ihrer Wirkung unterstützen und
  • Fähigkeiten, die Voraussetzung sind, um Digitalisierung und Stadtentwicklung nachhaltig, resilient, gemeinwohlorientiert und kooperativ anzugehen. Weil diese Themen strategieübergreifend sind, ist es wichtig, diese auch in andere Strategiediskurse einzubringen – und den Abgleich zu suchen.

Einleitung Zukunftsperspektiven: Raumbezüge

In der Verbindung von Stadtentwicklung und Digitalisierung nimmt die Smart City Berlin verschiedene Zukunftsperspektiven in den Blick. Diese konzentrieren sich auf die verschiedenen Raumebenen Berlins: lokal (in den Kiezen), städtisch (in ganz Berlin) und regional (in Berlin-Brandenburg).

Die auf diesen Ebenen ausgeführten Zukunftsperspektiven bilden erste Felder, in denen die Smart City-Strategie konkrete Ziele und Maßnahmen entwickeln kann. Die Digitalisierung ist dabei nicht Selbstzweck, sondern mögliches Mittel der Stadtentwicklung. Auf diese Weise entstehen Handlungsräume, durch die das Gemeinwohl, die Nachhaltigkeit, die Kooperation und die Resilienz spürbar gestärkt werden:

  • Gesunde und vielfältige Kieze
  • Zugänglicher Stadtraum
  • Digitale regionale Vernetzung
  • Innovative Kreisläufe

Gesunde vielfältige Kieze

Berlin ist als polyzentrische Stadt bekannt. Es gibt nicht ein Zentrum, sondern zahlreiche kleinteilige Stadtviertel und Kieze, in denen die Berliner:innen ihren Alltag verbringen und alle lebensnotwendigen Anliegen erledigen möchten.

Berlin ist für viele Menschen aus der ganzen Welt eine attraktive Stadt zum Leben und zieht neue Bewohner:innen an. Dabei sind insbesondere die traditionellen, dicht besiedelten Kieze mit ihrer Mischung von Wohnen, Leben und Arbeiten sehr beliebt.

Jedoch steigen seit Jahren die Mieten in ganz Berlin - losgelöst von den Löhnen der Berliner:innen. Die Zuwanderung verändert die Kieze in den Innenbezirken und verdrängt Niedrigverdiener:innen aus der Stadtmitte. Gleichzeitig steigt die alternde Bevölkerung, ebenfalls vor allem in den Randgebieten. Viele Menschen vereinsamen und die soziale Infrastruktur ist unzureichend. Der Umgang mit diesen sozialen Dynamiken und die gesunde Entwicklung der vielfältigen Kieze ist eine wichtige Aufgabe für die Stadt Berlin.

Aktuelle Dynamiken

Durch die Corona-Pandemie ist noch deutlicher geworden, wie sehr das Leben vieler Berliner:innen innerhalb ihrer Kieze und Stadtviertel stattfindet. Die rasante Digitalisierung des Alltags hat für viele zur Hyper-Lokalisierung ihres physischen Alltags geführt. In vielen Kiezen haben sich Bewohner:innen spontan selbst organisiert und gegenseitig in der Krisensituation unterstützt.

Während der letzten Monate wurde offensichtlich, dass sozial benachteiligte Menschen besonders von der Krise betroffen sind. Menschen ohne Obdach konnten während der Pandemie nicht zu Hause bleiben. Ihnen sind zudem wichtige Netzwerke des Alltags weggebrochen. Parks, Brücken oder andere öffentliche Plätze im unmittelbaren Lebensumfeld gewannen für sie, nicht nur in Berlin, an Bedeutung und Aufmerksamkeit.

Gute Praxis als Inspiration

Weltweit nehmen Smart Cities die Trends der nachhaltigen Stadtentwicklung, wie die 15-Minuten-Stadt oder die Superblocks, auf und entwickeln sie mit digitalen Mitteln weiter. Kieze können dabei zu lokalen Innovationsräumen werden. Beteiligung ist dort für die Bewohner:innen besonders attraktiv, da es um Themen geht, die direkt vor ihrer Haustür liegen. Dieser Ansatz der engagierten Stadt stärkt die Autonomie, Selbstwirksamkeit und Agilität im Kleinen und bleibt gleichzeitig anschlussfähig an größere Strukturen wie den Bezirk, das Land oder die Region. Denn auch im Kleinen können Lösungen für globale Herausforderungen ausprobiert und validiert werden, speziell wenn digitale Infrastrukturen einen Vergleich mit anderen lokalen Projekten ermöglichen.

In diesem Kontext kann Berlin von anderen Metropolen lernen. Paris hat das Konzept der 15-Minuten-Stadt mit Leben gefüllt: Grundbedürfnisse wie Wohnen, Einkaufen, ärztliche Versorgung, Arbeiten, persönliche Entfaltung und Ausbildung können im direkten Lebensumfeld gedeckt werden. Die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Pariser:innen wurde so messbar gesteigert. Ähnlich ambitioniert setzt Barcelona's Stadtregierung mit den Superilles, den sogenannten Superblocks, auf einen Ansatz der kleinen Räume. Mehrere Straßenblöcke werden zu einer verkehrsberuhigten Zone zusammengefasst, um dadurch frei werdende Flächen für Spielplätze, Sitzgelegenheiten und Bäume zu nutzen.

Lebenswert smartes Szenario: Gesunde vielfältige Kieze

In einem wünschenswerten Szenario der Smart City Berlin werden die Kieze zu Orten der Kooperation für eine resiliente Stadtentwicklung. Lokale Wirtschaftsansätze werden an einer nachhaltigen Daseinsfürsorge ausgerichtet. 

Organisationsformen

Weil Berliner:innen sich in ihrer Umgebung wohlfühlen möchten, verstehen sie die Smart City nicht nur als passive Nutzer:innen, sondern unterstützen sie in der Rolle von Mitgestalter:innen. Die Veränderungen im alltäglichen Lebensraum werden durch gemeinschaftliches Engagement entwickelt und neue Kooperationsformen können unbürokratisch getestet werden. Dabei unterstützen digital vernetzte Infrastrukturen zukünftig das Sammeln und Auswählen von Vorschlägen als auch die koordinierte Umsetzung und Evaluation der lokalen Maßnahmen. Um die Lebensmittelpunkte gesünder und vielfältiger zu gestalten, können öffentliche, frei zugängliche Angebote (Open Data, Open Code, Open Hardware) genutzt werden und die Digitalität mit Nachhaltigkeit verbinden.

Wirtschaftliche Aspekte

Die zukünftigen Projekte der Smart City Berlin stärken lokale Wirtschaftsakteure und Kleingewerbe im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsziele. Konsum und Produktion rücken näher zusammen und ermöglichen es den Berliner:innen, formelle und informelle Arbeit wie Care-Arbeit neu zu gewichten. Um notwendige systemische Veränderungen dezentral vernetzt zu gestalten, nimmt die Berliner Smart City-Strategie die Mikrostrukturen der Stadt genauer in den Blick. Die reichliche Verfügbarkeit von sozialen und ökologischen Systemleistungen direkt um die Ecke wird zum wirtschaftlichen Innovationsfeld. Denn wenn die lokalen Infrastrukturen in jedem Kiez in einzelnen, modularen und offenen Systemen organisiert werden, wird die gesamtstädtische Resilienz gestärkt. So können gleichermaßen gute Voraussetzungen für eine urbane Produktivität und das individuelle Wohlbefinden geschaffen werden.

Soziale Aspekte

Bewusst vernetzt, steigert ein „dörflicher“ Metropolcharakter nicht nur die Lebensqualität der Bürger:innen, sondern erhöht auch die Widerstandskraft der gesamten Stadt. Vielfältige menschliche Aktivitäten können berücksichtigt werden. Erholung und Gesundheit gehören genauso zum Alltag wie lokales Engagement und Ehrenamt. Eine heterogene Stadt gewährleistet langfristig Qualität in unterschiedlichen Lebensphasen. (Digitale) Technologien stützen diese Entwicklungen, dominieren sie aber nicht. Viele Stadtviertel, besonders in den Außenbezirken Berlins, bieten aktuell vor allem Wohnraum. Mit guten neuen Nutzungs- und Mobilitätskonzepten können sie Wohnen, Arbeiten und Erholung besser vereinen. Eine gemeinwohlorientierte Smart City wird in Zukunft auch die Entwicklung neuer, gemeinschaftlicher Wohnformen (Co-Housing, Co-Living) oder geteilter Arbeitsflächen (Co-Working) für alle Generationen unterstützen.

Umweltbezüge

Eine smarte Kiezentwicklung ist natürlich innovativ. Neue Technologien werden einerseits zur Verringerung von Abfällen und andererseits zur Ausweitung lokaler Lebensmittelproduktion und städtischer Landwirschaft genutzt. Zusätzlich dazu wird die biologische Vielfalt vor der Haustür durch engagierte Berliner:innen digital unterstützt gesteigert. Die Erweiterung der "Superblocks" durch das Konzept einer "essbaren Stadt" schafft Lebensraum für Mensch und Tier. Tierische Interessen werden durch eine smarte Stadtplanung berücksichtigt. Die Lärm- und CO2-Belastungen sinken zukünftig durch konsequente Begrünungskonzepte verbunden mit lokaler Energieerzeugung. Die nachhaltige Wasserversorgung gewinnt an Bedeutung und setzt ebenfalls vor Ort im Kiez an. Das Mikroklima verbessert sich dadurch spürbar und die gesamte Stadt wird gesünder und grüner.

Wegweiser für die Strategieentwicklung

Natürlich leben nicht alle Berliner:innen in klassischen Kiezen, die meisten möchten jedoch ihren Alltag in der eigenen näheren Umgebung leben können und wünschen sich ein Kiezgefühl. Die Smart City Berlin soll zur Lebensrealität der Menschen passen und das Leben in der lokalen Umgebung aller Berliner:innen stärken - sowohl in den Innenstadt- als auch den Außenbezirken. Hierzu gehört auch die Nutzungsmischung in Quartieren, die räumliche Nähe von Wohnen, (Klein-)Gewerbe, Freizeiteinrichtungen und Bildung. Dabei müssen insbesondere die Bezirke außerhalb des S-Bahn-Rings in den Blick genommen werden, um auch in Mahlsdorf oder Staaken ein Lebensumfeld zu schaffen, in dem die Bewohner:innen lokal ihre Bedürfnisse decken können. In diesen Kiezen kann die Digitalisierung besonders die Chancen auf Teilhabe der Bewohner:innen erhöhen. Berliner:innen wollen sich in ihren Kiezen wohl und sicher fühlen.

Der Senat will die digitale Transformation in Berlin nach Maßgaben von Nachhaltigkeit, Teilhabe und wirtschaftlicher Entwicklung mitgestalten. Das Ziel ist ein lebenswertes Berlin, das auch im digitalen Zeitalter Zugänge und Chancen für alle Berlinerinnen und Berliner sicherstellt. Eine systematische Befassung mit den Möglichkeiten der Digitalisierung im Handlungsfeld „Soziales und Integration“ wird auch im Kontext der Berliner Digitalstrategie Potenziale der Digitalisierung für lokale, bedarfsgerechte und auch evidenzbasierte Angebote und Lösungen sowie Strukturen und Prozesse definieren, die diese Herausforderungen angehen.

Viele Stadtteile sind bereits gemischt geplant, vereinen Arbeiten, Wohnen und Leben, andere sind nicht so angelegt und basieren auf einer Vorstellung von Stadt, die Arbeiten und Leben klar voneinander trennt. Sozial gerechte Stadtentwicklung darf nicht nur innerstädtische Bezirke einbeziehen, sondern muss auch intelligente Lösungen für Außenbezirke bereithalten, da gerade dort Versorgungsfunktionen bisher oft nicht abgedeckt werden. Gleichzeitig gibt es bei einer Aufwertung des öffentlichen Raums die Sorge um Gentrifizierung. Daher sind hier regulatorische Rahmensetzungen notwendig, um der Verdrängung aus attraktiv gewordenen Stadtvierteln entgegenzutreten.

Zugänglicher Stadtraum

Der Berliner Stadtraum wird vielfältig genutzt. Die Aushandlung darüber, wofür und wie er verwendet wird, ist ein Kernthema der Stadtentwicklung. Mit der Stadt wächst auch der Bedarf der Berliner:innen nach Wohnraum, Mobilität und Freizeit. Die Stadt wird nachverdichtet, es gibt neue Mobilitätsangebote zum Teilen und immer mehr Berliner:innen hinterfragen die historisch gewachsene Aufteilung des öffentlichen Raums.

Zur Verteilung des Stadtraums gehört auch das Thema Wohnen. In Berlin ist bezahlbarer Wohnraum ein knappes Gut geworden. Der Neubau von Wohnungen kann die Nachfrage vor allem nach günstigen Wohnungen bisher nicht decken. Um flächengerechte Antworten auf diese komplexen Fragen zu finden, setzen smarte Stadtentwicklungsansätze auf Prozesse, in denen die Bedarfe alle Berliner:innen berücksichtigt werden.

Aktuelle Dynamiken

Der öffentliche Raum ist für viele Berliner:innen ihr Wohnzimmer, Erholungsraum und Ort für Begegnung. In der Corona-Pandemie hat sich dies noch verstärkt. Die geringere Ansteckungsgefahr an der freien Luft brachte Berliner:innen dazu, einen Großteil des verbliebenen Soziallebens draußen beim Spaziergang oder bei Treffen im Park zu verbringen. Mit dieser Entwicklung ist der Ruf nach einem Recht auf Stadt für alle Menschen lauter geworden. Der Wunsch nach Flächengerechtigkeit ist eng mit der weltweit zu beobachtenden Gentrifizierung und Finanzialisierung von öffentlichem Raum verknüpft.

Denn Stadtplanung findet auch international vor allem in hochpreisigen Wohngebieten statt. Grün, sauber und angenehm wird es für diejenigen, die es sich leisten können. Weder Suburbanisierung noch Nachverdichtung können mit den städtischen Bedürfnissen Schritt halten. Eine wachsende Zahl zivilgesellschaftlicher Organisationen und Bewegungen fordert deshalb bezahlbaren Wohnraum sowie das Recht auf Mitgestaltung ein.

Gute Praxis als Inspiration

Mutige Stadtverwaltungen haben auf die Corona Verordnungen kreativ reagiert und in Berlin, Bogotá, Paris und Brüssel neue Flächennutzungskonzepte getestet. Mit Pop-Up-Radwegen, Spielstraßen oder verkehrsberuhigten Zonen konnte mehr Platz für eine sichere, aktive und pandemie-resiliente Mobilität der Bewohner:innen geschaffen werden. Zusätzlich war es in einigen Städte möglich, Parkplätze zu flexibilisieren und diese Fläche für Außengastronomie zu nutzen. Damit konnte gezeigt werden, dass durch kreative Lösungen nicht nur der notwendige Sicherheitsabstand einhaltbar ist, sondern gleichzeitig die Lebensqualität der Bewohner:innen verbessert und die Qualität des Mikroklimas gesteigert werden kann.

Eine weitere Inspiration bietet die wachsende Metropole Wien. Das nachhaltige Stadtviertel Seestadt Aspern wird für 20.000 Bewohner:innen partizipativ geplant, um ein lebenswertes, resilientes und gesundes Umfeld zu schaffen. Die Wiener:innen können sich dabei sowohl über niedrigschwellige Onlineformate mit ihren Ideen beteiligen als auch an Veranstaltungen der mobilen Labs teilnehmen.

Lebenswert smartes Szenario: Zugänglicher Stadtraum

Ein wünschenswertes Smart City Szenario beinhaltet, dass Aufenthaltsqualität, nachhaltige Gestaltung, multimodale Mobilitätsformen und körperliche Sicherheit leitend für die Nutzung des Stadtraums sind. Auf dem Weg zur Smart City Berlin ist daher die Aufteilung des öffentlichen Raums gemeinsam mit allen Berliner:innen und besonders den bedürftigsten Nutzer:innen zu überdenken, um sie ganzheitlich neu auszurichten.

Organisationsformen

Eine smarte Stadtentwicklung integriert separiert betrachtete Themen wie Mobilität und Flächenknappheit in Berlin in einer übergeordneten, vernetzten Perspektive. Entsprechende Datenpools und technologische Anwendungen unterstützen diesen systemischen Blick und ermöglichen allen Bürger:innen Zugang. Das wiederum motiviert eine engagierte Bürgerwissenschaft, die sich in Innovationsprozesse und auch deren Folgenabschätzung einbringt. Im Zusammenhang damit können partizipativ entwickelte Ideen zur Unterstützung der städtischen Ziele jederzeit eingebracht und kooperativ umgesetzt werden. Digital-analoge Beteiligungsansätze werden zu einem anerkannten Standard bei der Entwicklung der Quartiere oder Gestaltung neuer Wohnräume.

Wirtschaftliche Aspekte

Die Veränderungen des Stadtraums stehen in Wechselwirkung mit vielfältigen wirtschaftlichen Aspekten. Veränderte Arbeits- und Wohnmuster können in Zukunft die Umstrukturierung der städtischen Mobilität vereinfachen. In einer Smart City Berlin sind die verschiedenen Mobilitätsformen flexibel kombinierbar, aufeinander abgestimmt und so gestaltet, dass sie zum Wegziel - sei es zur Arbeit, zur Kita, zum Markt oder dem Gesundheitszentrum - passen. Diese neue Mobilitätswelt trägt zur Wertschöpfung in der Stadt bei.

Eine smarte Mobilitätsinfrastruktur ist rücksichtsvoll konzipiert und orientiert sich an Körpern und Identitäten von Menschen, die mobil sein möchten. Wirtschaftlicher Nutzen entsteht nachhaltig, indem auch die Barrieren für den Zugang und Komfort, den verschiedene Gemeinschaften im öffentlichen Raum erfahren, mitbedacht werden. 

Soziale Aspekte

Der Alltag der Berliner:innen wird auch in Zukunft komplex und vielseitig bleiben. Öffentliche Räume sind ein wichtiger Bestandteil einer smarten Stadtentwicklung. Hier fühlen sich die Berliner:innen wohl. Unterschiedliche Bedürfnisse werden hierbei berücksichtigt. Der offene und zugängliche Stadtraum sorgt für eine Atmosphäre der Gemeinsamkeit in der Stadt. Von Sportanlagen über Grünflächen bis hin zu Spielplätzen werden konkrete Angebote ergänzt mit Begegnungsorten, die engagierten Berliner:innen bewusst Freiräume zur eigenen Gestaltung bieten. Die vernetzte Sicht auf den Stadtraum kann außerdem ermöglichen, neue Konzepte für die Nutzung von Gebäuden und Leerflächen partizipativ zu entwickeln, systematisch zu testen und wirkungsorientiert zu evaluieren. Der öffentliche Datenpool kann mit diesen Erfahrungen angereichert werden, so dass verschiedene Bezirke gemeinsam schneller lernen.

Umweltbezüge

Die Smart City Berlin soll den Berliner:innen sowohl wörtlich als auch sinnbildlich gute Luft zum Durchatmen bieten. Anstatt stressender Lärmkulissen sind zukünftig mehr Naturgeräusche im Stadtraum zu hören. Ökologische Systeme sind dabei selbstverständlich Teil eines gesunden und sauberen Stadtraums. Für die nachhaltige und krisensichere Stadt sind Naturräume, die nicht kommerziell genutzt werden, eine Lebensgrundlage. Flächen, die städtische Ökosystemleistungen erbringen, werden sichtbar geschätzt. Biodiversität wird zukünftig aktiv gefördert, um das Stadtklima langfristig verträglich zu halten. Smarte Infrastrukturen können die Berliner:innen über Sektoren und Disziplinen dabei unterstützen, vorausschauend zu agieren, um Klimaanpassungsstrategien zu entwickeln. Gemeinsam und vernetzt werden Antworten auf Extremwetter, Wassermangel oder Schadstoffkonzentrationen in der Smart City Berlin gefunden.

Wegweiser für die Strategieentwicklung

Die Smart City Berlin kann an ein übergreifendes Verständnis der Berliner:innen vom speziellen Berliner Flair, von städtischer Eigenart mit Eigenschaften wie Offenheit, Freiraum und Vielfalt anknüpfen. Zukünftige Maßnahmen können auf der Identität Berlins aufbauen und diese mit den Ansätzen der Smart City erhalten und ausbauen. Sowohl alteingesessene wie auch neu zugezogene Berliner:innen oder Besucher:innen wünschen sich die Freiräume und werden in die Stadt gelockt. Bei der Ausgestaltung müssen mögliche Konfliktlinien berücksichtigt werden. Da Fläche in der Stadt eine begrenzte Ressource ist, wird um die Nutzung jedes Quadratmeters gerungen. So ist etwa der Flächenbedarf von privaten PKW zunehmend Gegenstand von Auseinandersetzungen. Gleichzeitig sind insbesondere Berliner:innen aus den Außenbezirken oft schlechter an den ÖPNV angebunden und in der Folge auf ein Auto angewiesen.

Andere Herausforderungen ergeben sich aus der Frage der Bezahlbarkeit und Zugänglichkeit der Stadt. Nur wenn die unterschiedlichen Interessen bekannt sind, können Lösungen im Sinne des Gemeinwohls erarbeitet werden. Hinzu kommen weitere, andere Bedürfnisse der zahlreichen Besucher:innen, die sich in Berlin frei bewegen möchten. Auch hier müssen die unterschiedlichen Anforderungen benannt und in einen sozial gerechten Ausgleich gebracht werden.

Innovative Kreisläufe 

Berlin und Brandenburg agieren als Metropolregion in einem globalen Kontext und haben somit Einfluss über die lokale Ebene hinaus. Innovative Kreisläufe in der Energie- und Lebensmittelversorgung, der Wasserinfrastruktur, der Bauwirtschaft und Abfallreduktion können dabei helfen, die Region nachhaltiger und resilienter zu machen.

Smarte Entwicklungen können diese Ansätze voranbringen und Berlin helfen, global Verantwortung zu übernehmen, auch oder gerade weil die Stadt aktuell noch weit von einer nachhaltigen, zirkulären Wirtschaftsweise entfernt ist.

Obwohl große Umnutzungsprojekte wie z.B. der Tegeler Flughafen geplant sind, fehlen häufig die Strukturen, um diese umzusetzen. Daher müssen zunächst die Grundpfeiler für innovative Kreislaufansätze gelegt werden, um Technologien, intelligente Produktion und Forschung zu verbinden. Dies gilt nicht nur für die Produktion von Konsumgütern, sondern auch für die Baubranche, welche durch den steigenden Wohnungsbedarf in Berlin auf lange Sicht von großer Bedeutung bleiben wird.

Aktuelle Dynamiken

Durch die Pandemie wurden auch in Berlin die Verknüpfungen und Abhängigkeiten des globalisierten, auf Konsum ausgerichteten Wirtschaftens deutlich. Veränderte Konsummuster und stockende Lieferketten führten dazu, dass einzelne Produkte stellenweise nicht mehr verfügbar oder zeitweise unerschwinglich waren.

Gleichzeitig hat sich der Konsum auf wenige Großkonzerne konzentriert, die Waren direkt nach Hause liefern. Hinzu kommt, dass dadurch die sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten zugenommen haben. Die negativen Folgen sind im globalen Norden vor allem für prekär Beschäftigte, Selbstständige, Kleinunternehmer:innen und im Kulturbereich spürbar. Aber wenn hier weniger neue Kleidung gekauft wird, verlieren Näher:innen in Südostasien ihr Einkommen.

Obwohl in den letzten Monaten bundesweit Emissionsrückgänge zu beobachten waren, verfehlt der deutsche Gebäudesektor als einziger das Jahresziel. Weiterhin gilt, dass Städte und ihre Bewohner:innen maßgeblich für den globalen Ressourcenverbrauch verantwortlich sind, und deshalb wichtige Entscheidungen hinsichtlich ihrer Konsummuster treffen müssen.

Gute Praxis als Inspiration

In der Krise hat sich jedoch auch gezeigt, dass Cluster aus Wissenschaft, städtischen Betrieben und Start-ups zur Resilienz der Stadt und lokalen Wirtschaft beitragen können. International sehen viele Städte in den Ansätzen der Kreislaufwirtschaft Antworten auf die beschriebenen Herausforderungen. Sie wollen neue Jobs schaffen, ihren Materialverbrauch verringern, lokale Produktion fördern und an einer nachhaltigen Zukunft arbeiten.

Ein Beispiel dafür ist das CLEAN Projekt, das Kopenhagen unterstützt bis 2025 klimaneutral zu werden. Hier dient eine digitale Infrastruktur der effektiven Sammlung und Analyse von öffentlichen und privaten Daten für die ökologische Neuausrichtung. Zenral ist dabei ein Marktplatz für den Handel mit Daten im Rahmen eines Software-as-a-Service-Modells, der es einer Vielzahl von Organisationen ermöglicht, die Daten zu kaufen, zu verkaufen und zu teilen. (Quelle: Society 5.0). Als weiteres gutes Beispiel nutzt die Stadt Wien im Baubereich die Chance, alte Industriegebäude nicht wie üblich als Ganzes abzureißen, sondern die einzelnen Materialien weiterzuverwenden. Ähnlich dazu gibt es in den Niederlanden und in Italien bereits die Open-Source-Anwendung HarvestMap, in der Baumaterialien zur Weiternutzung eingetragen werden können.

Lebenswert smartes Szenario: Innovative Kreisläufe

Ein wünschenswertes Smart City Szenario beinhaltet, dass neue und bestehende Akteurskonstellationen digital vernetzt an zirkulären Wirtschaftsmodellen arbeiten. Durch die Förderung regionaler Wirtschaftsansätze und der Nutzung nachhaltiger, erneuerbarer Rohstoffe, kann der städtische Fußabdruck maßgeblich verringert werden. In enger Kooperation mit dem Brandenburger Umland kann der Wert innovativer Kreisläufe zugänglich, handhabbar und breit kommuniziert werden.

Organisationsformen

Berlin ist bekannt als Schmelztiegel, in dem neue Ideen in interessanten Akteursnetzwerken entstehen. Start-ups und etablierte Betriebe, die Wissenschaft und öffentliche Verwaltung, aber auch die Kunst- und Kulturszene sowie gemeinnützige Akteure spielen eine zentrale Rolle, um kreative Lösungen zu entwickeln und auszuprobieren. Das sind gute Voraussetzungen, um einen zukunftsfähigen Umgang mit endlichen Ressourcen zu etablieren und zirkuläre Wirtschaftsansätze zu testen.

Wirtschaftliche Aspekte

Die Berliner Smart City-Strategie nimmt deshalb genauer in den Blick, wie gemeinwohlorientierte Wirtschaftsansätze umsetzbar sind, die Resilienz und Anpassungsfähigkeit ins Zentrum zukünftiger Entwicklungen stellen. Lange Lebenszyklen von Produkten, die Wiederverwertung von Materialien, aber auch das Teilen von Werkzeugen oder Lebensmitteln sind bekannte Beispiele, die in Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Verwaltung skaliert werden können. Durch die Förderung solcher Ansätze kann die Berliner Wirtschaft profitieren und langfristig Wettbewerbsvorteile erarbeiten.

Soziale Aspekte

Das Anliegen der Smart City Berlin ist es sicherzustellen, dass alle Bewohner:innen Zugang zu einer guten Lebensqualität haben, während gleichzeitig der Ressourcenverbrauch gesenkt wird, um innerhalb der planetaren Grenzen zu wirtschaften. Um das Potenzial einer solchen Neuausrichtung zu nutzen, sind passende Beschäftigungsmodelle und regulatorische Rahmenbedingungen notwendig. Digitale vernetzte Infrastrukturen, Monitoringkonzepte und Mitbestimmungsmöglichkeiten sind für die Konzeption und Umsetzung essentiell.

Umweltbezüge

Die Smart City Berlin stärkt regionale Ernährungs- und Energiesysteme, nachhaltige Wasserinfrastruktur und Bauweisen, sowie die Abfallreduktion (Plastikreduktion, Verpackungsfreiheit). Die Entwicklung hin zu einer städtisch-regionalen Kreislaufwirtschaft wird smart unterstützt, indem vielfältige Akteure unterschiedlicher Fachrichtungen die Beziehungen zwischen Menschen, Umwelt und Technik datengestützt neu definieren dürfen und sollen. Dafür ist ein globaler Blick notwendig, der den städtischen Einfluß auf Wasser, Luft und Land über die unmittelbar sichtbaren Konsequenzen hinaus schärft. Einerseits können die Zusammenhänge zwischen kranken Wäldern, übernutzten Böden, versauerten Ozeanen mit dem Berliner Stadtleben verdeutlicht werden. Andererseits werden die positiven Auswirkungen neuer Wirtschaftsansätze im Kontext einer smarten Stadtentwicklung einfacher mess- und skalierbar

Wegweiser für die Strategieentwicklung

In der Region Berlin-Brandenburg gibt es große Potenziale, um weitere zirkuläre und ressourcenschonende Infrastrukturen zu schaffen, beispielsweise in der Energieproduktion, dem Baubereich und der Nahrungsmittelversorgung. Als wachsende Stadt kann Berlin jetzt die Grundlage schaffen, um neue Gebäude nachhaltig und wandelbar zu bauen. Dabei kann eine solidarische Kultur des Teilens und Reparierens etabliert und gemeinsam mit Brandenburg langfristig eine gesunde, nachhaltige und lokale Nahrungsmittelproduktion aufgebaut werden. Durch Digitalisierung können viele dieser Potenziale sichtbar und nutzbar gemacht werden. Neue Ansätze und Kooperationen, Kreislauf-Mechanismen und neuartige Anreize und Herausforderungen der Plattformökonomie werden auch im Handlungsfeld Wirtschaft im Rahmen der Digitalstrategie bearbeitet werden.

Aktuelle Regulierungen, wie z.B. im Bausektor, können Entwicklungen hin zu einer Kreislaufwirtschaft erschweren und müssen berücksichtigt werden. Viele Geschäftsmodelle sind außerdem nicht auf diese Form des Wirtschaftens ausgelegt und benötigen finanzielle Anreize, um neu gedacht zu werden. Wirtschaftliche Akteure benötigen ambitionierte Entscheidungen, die über mehrere Jahre verlässlich sind. Jedoch fehlt es häufig am politischem Willen, kurzfristig unangenehme Maßnahmen in die Wege zu leiten, deren Wert häufig erst legislaturübergreifend erkennbar wird.

Digitale, regionale Vernetzung

Berlin bildet mit dem umliegenden Raum eine Metropolregion, die bereits intensive und integrierte Stadt-Land-Verbindungen lebt. Eine smarte Metropolregion benötigt leistungsfähige und digitale öffentliche Infrastrukturen. Neben intelligenten Verkehrs-, Wasser- und Energienetzen gehören dazu auch Kommunikations-, Software- und Daten-Infrastrukturen. Obwohl Berlin in weiten Teilen bereits über ein gut ausgebautes Breitbandnetz verfügt, ist in den ländlichen Bereichen die mangelnde Konnektivität nach wie vor ein reales Problem. Andererseits hat Berlin etwa im Bereich öffentlich eingesetzter Software und beim Datenmanagement Nachholbedarf. Indem digitale Thematiken vernetzt gedacht und bearbeitet werden, kann Berlin im Kontext der Smart City Entwicklung gemeinsam mit Brandenburg nachhaltig Neues schaffen.

Aktuelle Dynamiken

In der Pandemie ist die digitale Infrastruktur in der Metropolregion Berlin-Brandenburg für viele Menschen schlagartig zur Lebensgrundlage geworden. Gleichzeitig gewann die Frage nach dem Zustand öffentlicher IT-Systeme an Dringlichkeit. Dabei wurden starke Defizite sichtbar, etwa bei der mangelnden Digitalisierung der Gesundheitsämter oder den Schulplattformen. Andererseits verdeutlichten Diskussionen um die bundesdeutsche Corona-Warn-App, dass in der Entwicklung öffentlich finanzierter Open-Source-Software großes Innovationspotenzial steckt.

Im internationalen Kontext wurde im letzten Jahr deutlich, dass eine enge Verzahnung von öffentlich betriebenen Infrastrukturen mit lokalen, gemeinwohlorientierten Innovationsökosystemen die Reaktionsfähigkeit in Krisensituationen verbessert. Zusätzlich kann Berlin von anderen europäischen Regionen lernen, wie sich urbane und ländliche Kontexte zukünftig integrieren lassen.

Gute Praxis als Inspiration

In der Stadt Helsinki wird die Smart City beispielsweise als Metropolregion gedacht. Die Stadt Helsinki hat gemeinsam mit der umliegenden Region eine Strategie entwickelt, die anerkennt, dass Ziele wie Klimaneutralität und industrielle Modernisierung nur gemeinsam erreicht werden können. Dafür unterstützt die Region die Vernetzung verschiedener Akteur:innen und löst damit nicht nur dringende Probleme, sondern fördert langfristig den Aufbau eines innovativen Ökosystems. Eine ähnliche Idee wird in den Städten Riga, Tallinn, Turku und Norrköping verfolgt, welche zusammen im Baltic Urban Lab Project an einem neuen Modell von Public-Private-People Partnership arbeiten.

Weitere Beispiele sind die Stadtverwaltungen in Barcelona und Amsterdam, welche gut dokumentierte, modulare Open-Source-Infrastrukturen entwickeln und dadurch insbesondere Akteur:innen aus der lokalen IT-Szene befähigen, sich mit Know-how in die Weiterentwicklung einzubringen. Des weiteren wird im finnischen Espoo der "City as a Service"-Ansatz (CaaS) verfolgt, bei dem die Stadtverwaltung eng mit Bürger:innen, Unternehmen und Universitäten kooperiert. Die Stadt wird somit als eine Gemeinschaft verstanden, die sich selbstorganisiert um die Entwicklung und den Betrieb städtischer Infrastrukturen kümmert.

Lebenswert smartes Szenario

Ein wünschenswertes Szenario für die Smart City Berlin beinhaltet, dass die Metropole Berlin sich enger mit dem Brandenburger Umland vernetzt, um intelligente, öffentliche Infrastrukturen gemeinsam zu entwickeln. Die vielfältigen Verflechtungen zwischen Berlin und Brandenburg verlangen nach integrierten Lösungsansätzen, nicht nur im technologischen Bereich, sondern ebenso bei sozialer Infrastruktur, beim Wohnungsbau, der Landwirtschaft und bei der Kooperation der Bewohner:innen und Institutionen.

Organisationsformen

Zukünftig können die Bewohner:innen von Berlin und Brandenburg gemeinsam an einer besseren Integration von Stadt und Land arbeiten. Zum Beispiel werden beim Ausbau und Betreiben von offenen Software- und Dateninfrastrukturen vor allem lokale Akteure einbezogen. Des Weiteren bieten die Smart City-Entwicklungen für die Metropolregion Berlin-Brandenburg die Möglichkeit, neue Formen der Kooperation zwischen Verwaltung, privaten Unternehmen und Zivilgesellschaft zu erproben.

Wirtschaftliche Aspekte

Wenn die Smart City Berlin digitale Infrastrukturen gemeinsam mit der Metrolpolregion aufbaut und betreibt, kann dies auch zur Steigerung der Innovationsfähigkeit in den Berliner Außenbezirken und im Brandenburger Umland beitragen. Mit der Stärkung von Innovations- und Digitalisierungspotenzialen jenseits des Berliner Stadtkerns wird die Smart City Berlin langfristig betrachtet vielseitiger, dezentraler und offener für unterschiedliche Lebens- und Arbeitsmodelle zwischen Großstadt und Umland. Dies bietet neue Potenziale für integrative wirtschaftliche Entwicklungen.

Soziale Aspekte

Vorausschauend geplant, würde eine intelligente Vernetzung öffentlicher Infrastrukturen mehr Flexibilität in der Wahl des Wohn- und Arbeitsortes für alle Bevölkerungsgruppen ermöglichen. Durch einen "Smart Region"-Ansatz können unterschiedlichste soziale Aspekte neu gedacht werden. Günstiger Wohnraum, lokale Versorgungsmöglichkeiten, inklusive Bildungs- und Pflegeangebote sowie eine gute öffentliche Verkehrsanbindung sind nur einige Faktoren, durch die das Berliner Umland an Attraktivität gewinnt.

Umweltbezüge

Speziell für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen wird die Betrachtung von Berlin als Teil einer Metropolregion an Relevanz gewinnen. Viele Berliner:innen fahren am Wochenende nicht nur in die Brandenburger Natur, sondern beziehen vermehrt regionale Lebensmittel und nutzen Energie aus der Region. In Kooperation mit Brandenburg könnte die Stadt Berlin die Reduktion ihres ökologischen Fußabdrucks maßgeblich beschleunigen und dadurch globale Umweltveränderungen vorbildhaft beeinflussen. Die regionale Vernetzung von erneuerbaren Energie- und Ressourcenkonzepten mit dem Ausbau und der Nutzung digitaler Infrastrukturen, kann ein wirkungsvoller Schritt in diese Richtung sein.

Wegweiser für die Strategieentwicklung

Bei der Entwicklung strategischer Maßnahmen der Smart City Berlin sollten mögliche Abhängigkeiten und Vernetzungsmöglichkeiten mit dem Umland berücksichtigt werden. Das betrifft nicht nur digitale Infrastrukturen, sondern auch Themen wie Mobilität, Wohnen, Arbeit und Bildung. Diese Art von Verbindungen öffnet Berlin nicht nur in Richtung der Metropolregion, sondern auch zu anderen Orten weltweit, welche durch Güterströme und internationale Migrationsbewegungen mit Berlin verbunden sind. Auch wenn große Teile der Bevölkerung Brandenburgs im Berliner Umland leben, ist das Land Brandenburg deutlich größer und vielfältiger. Die zwei Bundesländer agieren unabhängig voneinander und eine Koordination ist dabei nicht immer leicht.

Jedoch gilt: Die Lebensrealitäten vieler Berliner:innen werden nicht durch existierende Verwaltungsgrenzen beschränkt. Die Verflechtungen von Berlin und Umland sind nicht immer eindeutig sichtbar und müssen jeweils erst erkennbar gemacht werden, um festzustellen, wo diese zu Konflikten führen. Kooperationen innerhalb der Region können aufgrund verschiedener rechtlicher Regelungen in Berlin und Brandenburg und zum Teil auch unterschiedlichen geltenden Standards einen hohen Abstimmungsbedarf erzeugen. Auch die Ausrichtungen von Strategien auf Länderebene sind bislang nicht immer kongruent. 

(1)  Verweis Beteiligung Kapitel: Prozess