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Smart City Strategie Berlin

Das Land Berlin entwickelt eine neue Smart City Strategie - und die ganze Stadtgesellschaft schreibt mit!

Kommentierung des Strategischen Rahmens der Smart City Strategie aktiv
Ab Ende April sind Sie eingeladen, den die Erstfassung des Strategischen Rahmens zu kommentieren. Dieser Text basiert auf den Ergebnissen der unterschiedlichen Beteiligungsformate in der Konzeptphase. Jetzt wollen wir wieder von Ihnen hören. Finden Sie sich in dem Text wieder?

Leitgedanken

Diese Leitgedanken liegen der Entwicklung der gesamten Berliner Smart City-Strategie zu Grunde. Sie sind Ergebnis der Beteiligung diverser Perspektiven der Berliner Stadtgesellschaft. Die Leitgedanken formulieren die Motivation hinter den Veränderungen, die mit der Smart City einhergehen, denn Technologieentwicklung an sich ist kein Selbstzweck. Es handelt sich deshalb bewusst um nicht-technische Ziel- und Wertvorstellungen, an denen sich der Einsatz von Technologie orientieren soll. Projekte im Smart City-Kontext sollen so ausgerichtet werden, dass sie die Leitgedanken mit Leben füllen und sich in der Umsetzung an ihnen messen lassen – so entsteht ein langfristig ausgerichtetes städtisches Innovationssystem mit klaren, übergreifenden Zielsetzungen.

Die nachhaltige Stadt

Die Smart City Berlin ist eine nachhaltige Stadt. Es ist sichergestellt, dass auch zukünftige Generationen ein in ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht lebenswertes Umfeld vorfinden. Dabei behält Berlin neben der lokalen und regionalen auch die globale Perspektive im Blick und nimmt eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die weltweite Klimakrise ein.

Berlin soll bis spätestens 2050 klimaneutral werden, den Großteil des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen selbst erzeugen und den Ressourcenverbrauch deutlich senken. Alle Menschen in der Stadt haben Anrecht auf ein gesundes Lebensumfeld: Saubere Luft, vielfältiges Stadtgrün, lebendige Ökosysteme und ein angenehmes Stadtklima werden fester Bestandteil der allgemeinen Daseinsvorsorge. Die gelingende Mobilitätswende senkt den Anteil des individuellen Pkw-Verkehrs, baut ÖPNV- und Fahrradinfrastrukturen aus und bietet intelligente Konzepte für Elektromobilität und den Lieferverkehr.

Auch in sozialer Hinsicht soll die Smart City Berlin nachhaltig sein und Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten dauerhaft ein gutes Zusammenleben ermöglichen. Gewachsene Strukturen sollen erhalten und gleichzeitig die Integration neuer Mitbürger:innen unterstützt werden. Alle Menschen in Berlin – auch und insbesondere stille Gruppen – haben ein Anrecht auf soziale Sicherheit, hochwertige Bildung und eine umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Vielfalt Berlins betrachten ist gleichermaßen Stärke und schützenswertes Gut.

In der Smart City Berlin stärkt gezielte Wirtschaftsförderung Resilienz, Sozialverträglichkeit und ökologische Nachhaltigkeit der lokalen Unternehmen. Die Transformation zur nachhaltigen Stadt wird dem Dienstleistungssektor, der Industrie und der Start-up-Szene gleichermaßen Chancen eröffnen, neue und skalierbare Geschäftsmodelle mit Strahlkraft zu entwickeln. Neue Formen des Unternehmertums und der Kreislaufwirtschaft werden gestärkt. Sie richten sich am Gemeinwohl aus und tragen zu einer nachhaltigen und stabilen Wirtschaftsentwicklung in Berlin bei.

Technologische und soziale Innovationen beschleunigen die Transformation zur nachhaltigen Stadt und gestalten sie effektiver. Die Verantwortlichen behalten dabei jedoch auch mögliche Zielkonflikte und negative Auswirkungen des Technikeinsatzes im Blick und achten darauf, den Einsatz von Technik selbst in verschiedenen Dimensionen nachhaltig zu entwickeln.

Die gemeinwohlorientierte Stadt

Die Projekte der Smart City Berlin dienen dem Gemeinwohl. Die Verantwortlichen achten darauf, dass keine Individuen und Gruppen bei der Stadtentwicklung ausgeschlossen oder benachteiligt werden. Wirklich smart kann eine Stadt nur sein, wenn sie auch für die schwächsten Menschen anschlussfähig bleibt. Reale Bedürfnisse und Probleme der Bewohner:innen sollten Ausgangs- und Endpunkt aller Smart City-Projekte sein.

Berlin bietet ihren Bewohner:innen ein vielseitiges und sicheres Lebensumfeld mit bezahlbarem Wohnraum, heterogenen Quartieren und vielfältigen sozialen und kulturellen Angeboten. In der Smart City Berlin werden öffentliche Räume und Flächen gerecht aufgeteilt, die Zugänglichkeit verbessert und die Stadt in kooperativen und partizipatorischen Prozessen gestaltet.

Für die Berliner Wirtschaft ist dies eine Einladung, neue und innovative Kooperations- und Geschäftsmodelle zu entwickeln, die direkt oder indirekt das Gemeinwohl stärken. In der Smart City Berlin tragen lokale Unternehmen einen substantiellen Teil zur Wertschöpfung und damit auch zum Gemeinwohl bei. Sie schaffen sichere und faire Arbeitsplätze und entwickeln gemeinsam mit Verwaltung und Bürger:innen nachhaltige und skalierbare Lösungen für ein gutes Leben in der Stadt.

Begriff und Umfang des Gemeinwohls lassen sich nicht abschließend definieren, sondern müssen innerhalb der Stadtgesellschaft immer wieder neu ausgehandelt werden. In der Smart City Berlin wird dieser Aushandlungsprozess unterstützt, zwischen Interessen vermittelt und Akteur:innen miteinander vernetzt, um eine gerechte und vielseitige Stadtentwicklung zu gewährleisten. Es gibt transparente und nachvollziehbare Kriterien, um die Wirksamkeit von gemeinwohlorientierten Maßnahmen zu messen.

Technologie wird zur Förderung des Gemeinwohls eingesetzt. Der Ausbau frei zugänglicher digitaler Infrastrukturen und die Bereitstellung öffentlicher digitaler Dienste und offener Daten kommt potenziell allen Menschen in der Stadt zu Gute. Der Förderung von Digitalkompetenz und die Entwicklung offener Software-Ökosysteme unterstützt die digitale Souveränität von Verwaltung und Bürger:innen gleichermaßen.

Die resiliente Stadt

Die Smart City Berlin ist eine resiliente Stadt. „Urbane Resilienz“ bezeichnet die Fähigkeit von Städten, sich zügig, effektiv und effizient auf Erschütterungen und Krisen einzustellen, aus diesen zu lernen und sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt des Status quo. Vielmehr ist Resilienz auch Voraussetzung für radikale Veränderungen, die nötig sind, um die Stadt nachhaltiger und zukunftssicherer zu machen.

In der Smart City Berlin werden Geschwindigkeit und Flexibilität wichtiger als rigide Langzeitplanungen. Zugleich muss Rechtssicherheit auch in Krisenzeiten gewährleistet bleiben. Urbane Infrastruktur und natürliche Umwelt werden in einem ganzheitlich-systemischen Blickwinkel betrachtet. Dieser bezieht zukünftige Risiken ein und berücksichtigt verschiedene Szenarien einer verträglichen Integration. Auf diese Art werden auch Zielkonflikte zwischen verschiedenen Leitgedanken der Smart City behandelt. 

Netze, Infrastrukturen und Lieferketten sind in der Smart City Berlin so gestaltet, dass kritische Engpässe entschärft und Redundanzen geschaffen werden. Auch die öffentliche Verwaltung baut zusätzliche Kompetenzen und Kapazitäten auf, die über den Erhalt des Status quo hinaus eine proaktive Antizipation und Gestaltung von Veränderung möglich machen. Neue Organisationsstrukturen und -prozesse erlauben eine neue Fehlerkultur, die Experimente und Iterationen möglich macht. Sie führen so zu mehr Handlungsschnelligkeit, ohne die Stabilität des Gesamtsystems zu gefährden.

Lernfähigkeit und Weitsichtigkeit sind zentrale Merkmale einer resilienten Stadt. In der Smart City Berlin werden der Blick für komplexe systemische Zusammenhänge geschärft und Möglichkeiten geschaffen, um kritische Situationen zu antizipieren. Die Akteure der Smart City Berlin lernen nicht nur aus der eigenen Vergangenheit, sondern auch von den Erfahrungen anderer Städte und teilen umgekehrt ihr Wissen mit diesen. Nicht zuletzt wird in der Smart City Berlin die soziale und psychische Resilienz der Bewohner:innen gefördert und diese dabei unterstützt, in Krisensituationen selbstbestimmt, informiert und solidarisch handeln zu können.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung stärken die Resilienz der Smart City Berlin. Intelligente Systeme zum Monitoring und zur Steuerung kritischer Prozesse werden in der Smart City entwickelt und die dafür notwendigen Datengrundlagen geschaffen. Aber auch die Technologie selbst wird in der Smart City resilienter, indem öffentliche IT-Systeme redundant, modular und quelloffen entwickelt werden.

Die kooperative Stadt

Die Smart City Berlin ist eine kooperative Stadt. Alle Bewohner:innen haben die Möglichkeit, sich einzubringen und engagierte Mitglieder der Stadtgesellschaft zu werden. In der smarten Stadt werden die Grundlagen für sektorübergreifende Kooperationen und für eine breite Einbeziehung der Berliner:innen geschaffen. Zugleich sucht Berlin den Austausch mit anderen Städten und Gemeinden, und verhält sich solidarisch mit dem globalen Ökosystem und zukünftigen Generationen.

Berliner:innen, insbesondere stille Gruppen, können sich in der Smart City Berlin stetig beteiligen. Die Kreativität der gesamten Stadtgesellschaft soll Grundlage einer gemeinschaftlichen Stadtentwicklung werden. Dafür werden bestehende Strukturen zivilgesellschaftlicher Mit- und Selbstbestimmung gestärkt und zukunftssicher gemacht. Zugleich gilt es, neue Formate und Governance-Strukturen für gesellschaftliches Engagement zu entwickeln, die über den bisherigen Stand hinausweisen. Die Stadtgesellschaft wird dabei unterstützt durch eine öffentliche Verwaltung, die Kooperationen auf Augenhöhe ermöglicht, offen für kreative Impulse ist und diese pragmatisch und lösungsorientiert vorantreibt.

Eine zugängliche und menschzentrierte Infrastruktur schafft die Voraussetzungen dafür, dass alle Berliner:innen Ideen zur Gestaltung der Stadt einbringen und gemeinsam umsetzen können. In einer kooperativen Stadt entstehen dazu auch neue Betreibermodelle wie digitale Genossenschaften oder Public-Private-People-Partnerships (4P), bei denen Bürger:innen eine aktive und mitgestaltende Rolle bei der Entwicklung öffentlicher Leistungen spielen können.

In der  Smart City Berlin werden Kooperationen sowohl zwischen verschiedenen Sektoren und Stakeholdern innerhalb der Stadt als auch mit anderen Städten im In- und Ausland gefördert und initiiert. Gemeinsam mit anderen Metropolen arbeitet Berlin an der Bewältigung globaler Herausforderungen. Um gemeinsames Handeln zu erleichtern, werden Berliner Smart City-Projekte und Lernerfahrungen transparent dokumentiert und replizierbar gemacht. Wo umgekehrt bereits funktionierende Lösungen bestehen, werden Erfolgsmodelle übernommen und weiterentwickelt.

Technologien und digitale Werkzeuge fördern in der Smart City Berlin kooperatives Handeln der Stadtgesellschaft. Sie bieten Berliner:innen vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten. Zugleich werden die Smart City-Technologien selbst in einem kooperativen Prozess entwickelt, der die breite digitale Expertise der Stadt einbezieht. Dazu setzt die Smart City Berlin auf Transparenz und Offenheit, etwa durch den konsequenten Einsatz von Open Source-Software und die Bereitstellung offener Verwaltungsdaten.