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zur Projektsammlung Charta für das Berliner Stadtgrün

Entwurf für eine Charta für das Berliner Stadtgrün

Kommentieren Sie hier den Entwurf der Charta für das Berliner Stadtgrün

Zweite Phase der Beteiligung aktiv
Sie sind eingeladen, eigene Vorschläge und Anmerkungen zum Charta -Entwurf einzubringen, indem Sie einzelne oder mehrere Aspekte kommentieren.

1 - Grundgerüst des Stadtgrüns sichern und vernetzen

Die öffentlichen Parks- und Grünanlagen – von kleinen Pocketparks in den Stadtquartieren bis hin zu den großen Parkanlagen – gehören zusammen mit den Sportflächen, den Klein- und Gemeinschafts­gärten, Friedhöfen sowie den Wäldern, den Landwirtschaftsflächen, den Natur­schutz- und Biotopverbundflächen, den Gewässern, Brachflächen und den Straßenbäumen zum Grundgerüst des Berliner Stadtgrüns. Der Flächennutzungsplan und das Landschaftsprogramm bilden mit ihren Aussagen zur Flächenkulisse dieses Grundgerüst ab.

Dieses Grundgerüst, die grüne Infrastruktur Berlins, soll gesichert und besser miteinander vernetzt werden.

 

Park- und Grünanlagen

Berlin besitzt ca. 2.500 öffentliche Park- und Grünanlagen unterschiedlicher Größe und Gestalt­qualität. Ihre Gesamtfläche von rund 5.400 Hektar sind gemäß Grünanlagengesetz als Grün- und Erholungsanlage gesichert. Das Ziel Berlins ist es, dass jede*r Bürger*in innerhalb von 500 m eine wohnungsnahe Grünanlage erreichen kann. Für die Erholung sollen jeder/ jedem Einwohner*in 6 m² wohnungsnahe und 7 m² siedlungsnahe Erholungsfläche sowie 1 m² Spielplatzfläche zur Verfügung stehen.

Besondere Herausforderungen liegen in den hochverdichteten Wohnquartieren der Innenstadt, in denen diese Ziele nicht erreicht werden. Hier werden Anstrengungen unternommen, um neue Flächen­potenziale zu erschließen und die Erholungsmöglichkeiten zu verbessern.

  • Parkanlagen sind in ihrer Funktion so zu gestalten, dass ihre Freiflächen für alle Menschen zugänglich und vielfältig nutzbar sind.
  • Die Vernetzung der Parks untereinander wird verbessert, die Lücken im Netz der „20 grünen Hauptwege“ werden zügig und konsequent geschlossen. Hierbei werden die angrenzenden Räume verstärkt mit einbezogen.
  • Neben den verschiedenen Nutzungsansprüchen ist nicht zuletzt auch die Gartenkunst, also die ästhetische Funktion und Bedeutung, zu entwickeln. Als Zeugnisse der verschiedenen kulturellen Epochen erhalten Gartendenkmale eine besondere Aufmerksamkeit.

 

Kleingärten und Gemeinschaftsgärten

Berlin ist bekannt für seine Kleingärten und Gemeinschaftsgärten. Die reiche Ausstattung mit Kleingärten auf landeseigenen Flächen ist ein Privileg unserer Stadt. Für viele Berliner*innen sind Kleingärten ein zweites Zuhause und somit ein identitätsstiftender Ort. Immer mehr Menschen möchten in dieser Stadt gärtnern. Gemeinschaftsgärten sind Teil der Berliner Lebensqualität. Zahl­reiche Initiativen setzten sich für diese Formen des Gärtnerns ein und schaffen Begegnungsorte in den Stadtquartieren.

  • Berlinweit wird angestrebt, den Versorgungsgrad der Bevölkerung mit Kleingarten­parzellen zu erhalten. Da zum einen ein kleiner Teil der Berliner Kleingartenparzellen bebaut werden wird, zum anderen die Berliner Bevölkerung wächst, ist die Schaffung von Ersatz­parzellen erforderlich. Potenziale zur Abdeckung der Zusatzbedarfe sind vor allem im Bereich der Bestandsoptimierung zu suchen, denn die Erschließung und Sicherung neuer Kleingartenflächen ist aufgrund der vielfältigen Flächenkonkurrenzen im Rahmen der wachsenden Stadt nur im Einzelfall und in geringem Umfang denkbar. Möglichkeiten der Bestandsoptimierung liegen in einer Vergrößerung der Parzellenzahl durch Teilung über­großer Parzellen, Umnutzung oder Neustrukturierung überdimensionierter Gemein­schafts- und Erschließungsanlagen und der Erweiterung des Nutzerkreises durch innova­tive Nutzungskonzepte (z. B. Gemeinschaftsparzellen zur Nutzung durch mehrere Parteien).
  • Die Klein- und Gemeinschaftsgärten werden mit den Stadtquartieren verknüpft. Kleingarten­anlagen sollen sich verstärkt für die Bewohnerschaft der Umgebung öffnen, durch­wegbar sein und vermehrt Freiraumangebote bieten.
  • Es bedarf einer zusammen mit den Kleingartenverbänden entwickelten Strategie, wie Parzellen auch gemeinschaftlich genutzt, große Parzellen geteilt und effizienter genutzt werden, um mehr Angebote zum Gärtnern auf bestehenden Flächen zu schaffen.
  • Das gemeinschaftliche Gärtnern soll gefördert werden und konzeptionell in die gesamt­städtische Freiraumentwicklung integriert werden.

 

Friedhöfe

Berliner Friedhöfe sind in erster Linie Orte zur Bestattung, Trauerbewältigung und Besinnung. Sie sind zugleich Teil des kulturellen Erbes und Orte der Begegnung und Erholung und sie weisen häufig eine hohe Biodiversität auf. Gerade in dicht bebauten Stadtquartieren sind Friedhöfe ein wichtiger Teil der Grünräume.

  • Friedhöfe werden im Grundsatz als zentrale Grünräume erhalten. Mit dem Friedhofs­entwicklungsplan werden die Leitlinien der weiteren Entwicklung festgelegt.
  • Nicht mehr für Bestattungen benötigte Flächen werden für die Erholung und Entwicklung neuer Freiraumqualitäten erschlossen und gesichert.
  • Die Biodiversität und das gartenkulturelle Erbe werden erhalten.

 

Wälder

Die Berliner Stadtwälder erstrecken sich auf über 16.000 Hektar, rund ein Fünftel der Stadtfläche ist damit bewaldet. Die Pflege und Bewirtschaftung der Wälder orientieren sich an einer möglichst großen Naturnähe, Vielfalt und Vitalität der Bestände. Seit 2002 ist das Konzept der Berliner Forsten auf höchstem Niveau ökologisch zertifiziert. Zusammen mit den großen Berliner Wasser­flächen bilden sie einen einzigartigen, stadtnahen Schatz an Erholungsräumen und Orten der Biodiversität.

  • Die Wälder werden erhalten. Waldverluste müssen entsprechend dem Landeswaldgesetz und Waldleitfaden kompensiert werden.
  • Im Sinne des ökologischen Waldumbaus und nachhaltiger Forstwirtschaft werden die Berliner Wälder weiter konsequent zu Mischwäldern entwickelt.
  • Die Erlebbarkeit und die Biodiversität werden durch eine Vielzahl an kleinteiligen Maßnahmen (Schaffung von Lichtungen, Gestaltung der Waldränder, Entwicklung von Kleinbiotopen, Wegenetze, Ausblicke usw.) erhöht.

 

Landwirtschaftsflächen

Berlin verfügt auch heute noch über große zusammenhängende Landwirtschaftsflächen im Stadt­gebiet. Sie sind prägende Elemente der Berliner Kulturlandschaft und auch ein Beitrag Berlins zu den länderübergreifenden Regionalparks im Verflechtungsraum Berlin-Brandenburg. Die bisher noch oft intensiv genutzten Flächen besitzen ein erhebliches Potenzial, um die Erholungsnutzung, die klimatischen Funktionen und die Bedeutung für Pflanzen und Tiere aufzuwerten. Gleichzeitig sind Landwirtschaftsflächen produktive Räume, die regionale Produkte und grüne Dienst­leistungen ermöglichen.

  • Landwirtschaftsflächen, die im Flächennutzungsplan dargestellt sind, sind mit einer Umstel­lung auf eine umweltgerechte Landbewirtschaftung aufzuwerten und werden als Erholungsraum in das Grundgerüst des Stadtgrüns mit einbezogen.
  • Maßnahmen der ökologischen Aufwertung sollen bevorzugt durch produktionsintegrierte sowie lineare und punktuelle Maßnahmen umgesetzt werden, damit der Charakter der Offenlandschaft erhalten wird.

 

Naturschutz- und Biotopverbundflächen

Berlin besitzt eine hohe biologische Vielfalt. Sie ist lebenswichtiges Schutzgut und wichtiger Teil des Naturerbes. Die biologische Vielfalt und das Biotopverbundsystem gilt es für die Zukunft zu sichern und zu fördern.

  • Die bestehenden, bereits gesicherten Schutzgebiete werden entsprechend ihres Schutz­zwecks zügig entwickelt, die erforderlichen Maßnahmen schrittweise umgesetzt.
  • Für weitere Flächen, die gemäß Landschaftsprogramm als Schutzgebiete auszuweisen sind, soll die Unterschutzstellung bis 2030 realisiert werden.
  • Der Biotopverbund mit Kernflächen und linearen Strukturen wird weiterentwickelt, die Verbindungen zwischen den Kernflächen werden verbessert.
  • Das Konzept der Biotopverbundräume ist langfristig, schrittweise und kontinuierlich umzu­setzen. Grundlagen sind frühzeitig zu erarbeiten, um eine Flächensicherung zielgerichtet betreiben zu können. 

 

Gewässer – die blau-grünen Infrastrukturen

Die Flüsse und Kanäle mit ihren Randbereichen haben eine besondere Bedeutung für die Weiter­entwicklung des Grundgerüsts des Stadtgrüns. Viele Ufer sind jedoch nicht durchgängig zugänglich und erlebbar. Auch die zahlreichen kleinen Still- und Fließgewässer wie die Sölle, Teiche, Fließe und Gräben bieten mit ihren Uferbereichen ein großes Potenzial, um eine Vielfalt von Lebensräumen für bedrohte Tiere und Pflanzen zu verbessern. Auch für das Naturerleben und die Klima­anpassung haben die Gewässer ein großes Potenzial, das bisher nicht aktiviert wurde.

Zukünftig sollen die Ufer besser nutz- und erlebbar sein. Es gilt, ihre Aufenthaltsqualität zu verbessern. Parallel sollen Biotopverbund und Naturnähe der „blau-grünen Infrastrukturen“ erhöht werden.

  • Die Ufer der Berliner Flüsse und Kanäle sind so zu gestalten, dass sie durchgängig begeh­bar und nutzbar werden. Bei Sanierung der Ufermauern wird die Zugänglichkeit und Erlebbarkeit verbessert.
  • Die Uferbereiche sind abschnittsweise naturnäher zu gestalten, der Biotopverbund wird gestärkt.
  • Uferwege und Promenaden an den Flüssen und Kanälen müssen ausreichend breit ange­legt werden, damit diese auch bei intensiver und vielfältiger Nutzung wie Fahrradfahren, Spazierengehen, Joggen und Lagern Qualitäten entfalten, die Biodiversität gesichert und Nutzungskonflikte vermieden werden und so zu einer blau-grünen Infrastruktur der Stadt werden.
  • Damit die vielen Stadtkanäle durch Promenaden, Wasserplätze und Parks aufgewertet werden können, müssen abschnittsweise die begleitenden Straßen und versiegelten Frei­flächen vielfältig nutzbarer gemacht werden.
  • Die kleinen Still- und Fließgewässer sollen zu wertvollen Biotopen für die Fauna und Flora entwickelt und die Erlebbarkeit gefördert werden.
  • Der Wasserhaushalt wird stabilisiert, die Wasserqualität verbessert und den Gewässern vermehrt Raum für ihre Dynamik im Jahresverlauf gegeben.

 

Sportflächen und Bewegungsräume

Sport, Spiel und Bewegung finden im Freien in der gesamten Stadt nicht nur auf Sportplätzen, sondern vor allem auf Grün- und Wasserflächen statt. Die bestehenden Möglichkeiten sollen gesichert und weiter qualifiziert werden. Barrierefreiheit und erweiterte sportliche Nutzung für alle Zielgruppen sind wichtige Themen für die weitere Entwicklung.

  • Öffentliche Sportflächen werden durch allgemein zugängliche und wohnortnahe Sport- und Bewegungsangebote ergänzt. Insbesondere mit kleineren, multifunktionalen Sport­flächen soll das bestehende Angebot sinnvoll erweitert werden, um bedarfsgerechte, wohnungs- und arbeitsplatznahe Sportangebote zu schaffen.
  • Angesichts der begrenzten Erweiterungsmöglichkeiten werden die bestehenden Sport­platz­­anlagen effizienter genutzt. Vorhandene Potenziale für eine freiraumbezogene Erholung werden in enger Abstimmung mit den Vereinen aktiviert. Ziel ist es, die Flächen viel­fältiger zu nutzen und vermehrt auch für Nichtvereinsmitglieder zu öffnen. Durch die Mehr­fachnutzung können neue Formen von Sportparks entstehen, die für die allgemeine Erholung geeignet sind.
  • Große Sportareale werden zum integralen Bestandteil des Grundgerüsts des Berliner Stadtgrüns.
  • Wassersport wie Schwimmen, Rudern, Kanu fahren, Segeln, Surfen, Stand-Up-Paddling werden unter Berücksichtigung von Naturschutzbelangen gestärkt.
  • Mehr Sport und Bewegung in den Park- und Grünanlagen zu ermöglichen, erfordert Strategien mit denen Konflikte zwischen aktiven und besinnlichen Erholungsformen, den Schnellen und Langsamen, den Lauten und Ruhigen vermieden werden können. Generell gilt in Parkanlagen, dass Fußgänger*innen Vorrang haben.

 

Straßengrün und Straßenbäume

Berlin hat rund 430.000 Straßenbäume und knapp 1.400 ha Grünflächen auf Straßenland. Straßen­bäume und Straßengrün sind berlintypisch, sie prägen nachhaltig die Gestalt- und Aufenthalts­qualität der Straßen und sorgen im Klimawandel für den notwendigen Schatten und Kühlung durch Verdunstung.

  • Die Berliner Straßenbäume werden als Teil des Berliner Stadtgrüns erhalten und kontinuierlich ergänzt.
  • Die für ein ansprechend gestaltetes Straßengrün sowie gesunde Straßenbäume notwendige Pflege wird gesichert.
  • Bei Stadtentwicklungsprojekten werden Straßen grundsätzlich mit Bäumen ausgestattet.
  • Da Straßenbäume im Klimawandel viel Wasser benötigen, wird die Regenwasser­bewirtschaftung verstärkt auf diese Anforderung ausgerichtet. So sollen Synergien zwischen Straßenentwässerung und der Entwicklung des Straßengrüns entstehen.