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Gutachterverfahren Vorplatz Zentralfriedhof Friedrichsfelde | Sieger steht fest

Der Vorplatz des Zentralfriedhof soll als Eingangssituation umgestaltet werden und ein Quartiersplatz mit Verbindung in den Landschaftspark entstehen.

Die Beteiligung ist aktuell nicht möglich. Sie hat am geendet.
Fünf Gestaltungslösugen für den Vorplatz
Am 24. Juni wird eine Fachjury eine der hier vorgestellten Arbeiten für die Realisierung auswählen. Ihre Anmerkungen werden dem Entscheidungsgremium vorher zur Kenntnis gegeben.

Franz Reschke Landschaftsarchitektur

Reschke Plan 1Diesen Plan können Sie auch in hoher Auflösung als Bild-Datei öffnen.

Reschke Plan 2Diesen Plan können Sie auch in hoher Auflösung als Bild-Datei öffnen.

Erläuterungsbericht

‚SPIEGELBILD‘ GUTACHERVERFAHREN NEUGESTALTUNG VORPLATZ ZENTRALFRIEDHOF FRIEDRICHSFELDE

 

Annäherung und Konzept – Seiner Bedeutung als auch seinem Potential kann der Vorplatz des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde aktuell nur bedingt entsprechen: Zu sehr bestimmt ‚das Blech‘, der ruhende Verkehr, das Bild des Platzes, zu groß ist seine leergefegte Mitte, zu wenig Angebote geben Anlass zum Verweilen. Die besondere Qualität der ‚Kulisse‘ aus Bäumen, die warme Materialität der Gebäude und des Pflasters sind Ausgangspunkt für den Entwurf. Denn, der Platz kann mehr: An der Schnittstelle zwischen dichtem Stadtraum und weiten Grün- und Gartenflächen gelegen, ist er mehr als nur ein Vorplatz. Er verbindet und bildet den Auftakt, er lädt ein zum Verweilen und Rasten ein. Wenn auch ‚weit draußen‘ gelegen, wird er zum lebendigen und charakteristischen Treffpunkt für das Quartier als auch für Spazierende und Radelnde.

Entwurf – Essentiell für die Steigerung der Aufenthaltsqualität ist die Neuordnung der Flächen des ruhenden Verkehrs und der damit verbundenen Fahrbewegungen. Kompakt im Süden organisiert sind 30 Parkplätze entlang der Radwege- und Fahrgasse vorgesehen. Die Stellplätze sind durch eine langgestreckte, mittig durchlässige, Grünfläche leicht vom Platz abgesetzt. Dessen ‚grüner Rahmen‘ wird somit vergrößert und im Süden komplettiert. Es entsteht ein attraktiver und maßstäblicher, für Aufenthalt und fußläufige Bewegung ausgelegter Platzraum.

Der prägende Baumbestand in den Grünflächen wird erhalten und durch einen nach Innen aufgelockerten Hain aus ca. 25-30 Klimabäumen ergänzt. Die Baumarten sind auf die Standorte in den für die Entwässerung vorgesehenen Beetflächen abgestimmt und markieren den ‚Platz als Ort‘ über ihre intensiv-charakteristische Blatt- und Herbstfärbung vor der ‚Kulisse‘ des Altbaumbestandes auf dem Zentralfriedhof. Vom Ablauf und Kanal entkoppelt wird die Versickerung des anfallenden Niederschlags über attraktiv und robust bepflanzte Regenwasserbeete im südöstlichen Teil des Platzes sichergestellt.

Insgesamt erfolgt eine deutliche Entsiegelung der Platzfläche (ca. 1.200qm) bei Erhalt der Nutzungsoffenheit der zentralen Platzmitte. Die Regenwasserbeete sind jeweils leicht abgesenkt und nehmen somit auch Starkregenereignisse auf. Die Pflanzung ist dabei in einem breiten und vielfältigen Spektrum trockenheitsliebend aber auch überflutungsverträglich konzipiert.

Der Platz erhält an drei Rändern jeweils ein großzügiges Aufenthaltsangebot im lichten Schatten der neugepflanzten Bäume, zu dem werden hier ergänzende Funktionen verortet (Fahrradbügel, Leuchten, Trinkbrunnen). In der nach Südosten geneigten Platzfläche aus dem aufgearbeiteten bestehenden Großsteinpflaster lässt eine leicht in das Relief gearbeitete Mulde einen, je nach Witterung, temporären Wasserspiegel als spielerischen Akzent entstehen. Einer leicht schief geneigten ausgerundeten Schale gleich, entsteht eine leicht aus der Mitte versetzte Einstau von maximal 5cm. Der Spiegel (die Friedrichsfelder Pfütze), das Entstehen und Verschwinden des Wassers in der Mitte des Platzes wird zum besonderen belebenden, wenn auch subtilen Moment. Der rötliche Porphyr aus der bestehenden Pflasterung wird für die Platzmitte wiederverwendet. Im Material und durch zwei Läuferreihen abgesetzt zeichnet sich die Kontur und Fläche auch im Trockenen leicht auf den Platz ab. Eine Querung der ‚Pfütze‘ ist im Alltag nicht zwingend notwendig, gleichwohl ohne weiteres möglich.

Die neuen Nutzungen in den zu sanierenden Gebäuden (Pförtnerhaus und Verwaltungsgebäude) erhalten ein attraktives Vorfeld auf dem Platz und tragen zu dessen Bespielung bei. Der gesamte Platzbereich ist für eine Befahrung ausgelegt, so können Sondernutzungen auch zukünftig in der Mitte des Platzes stattfinden. Die südlichen Verkehrsflächen werden mit einer Asphaltdecke vorgesehen. Die Parkplätze sind in Großsteinpflaster mit Rasenfuge, zwei Stellplätze barrierefrei, vorgesehen.

Möblierung / Vegetation – Es sind klassische Berliner Bänke in silbrig vergrauendem Holz vorgesehen. Diese stehen gereiht, abschnittsweise mit und ohne Lehne. Neben den Bänken bestehen sehr gut nutzbare Aufstellflächen für Kinderwägen und Rollstühle. Alle weiteren Einbauten (Leuchten, Bügel, Abfallbehälter) sind in mittelgrauer Lackierung vorgesehen. Es werden am Auftakt zum Platz fünfzehn Fahrradbügel (ggf. mit Lade-/Leihstation) vorgesehen. Ein Trinkbrunnen der BWB bietet am Abzweig des Weges zum Landschaftspark Herzberge Möglichkeit zur Erfrischung. Die bestehenden Bäume im grünen Umfeld des Platzes werden erhalten und die vorhandenen Pflanzflächen vergrößert.

Barrierefreiheit / Wirtschaftlichkeit / Umgang mit dem Bestand – Der Platz ist schwellenlos ausgestaltet, auf ein taktiles Leitsystem wird verzichtet, da es sich um einen Fußgängerbereich handelt. Zu den umgebenden Verkehrsflächen ist ein Bord (1-3cm) vorgesehen. Durch die Neuverlegung sowie die Oberflächenbearbeitung wird eine sehr gute Begeh- und Berollbarkeit des bestehenden Großsteinpflasters gewährleistet, gleichzeitig wird durch eine geflammte Oberfläche eine hohe Rutschhemmnis sichergestellt. Die Ausstattung berücksichtigt die Ansprüche aller Nutzer bezüglich differenzierter Sitzhöhen, Lehnen sowie Aufstehhilfen. Es wird eine warmweiße, wartungsarme und energieeffiziente LED-Beleuchtung durch schlichte Mastaufsatzleuchten ausgehend von den Rändern des Platzes vorgesehen (Lichtpunkthöhe ca. 4,5m).

Der klar (und eng) gesteckte Kostenrahmen wird als integraler Bestandteil der Entwurfsaufgabe und -lösung verstanden. Die Aufarbeitung des vorhandenen Natursteinmaterials und der nach Möglichkeit weitgehende Erhalt und die Ertüchtigung der bestehenden Tragschichten sind grundsätzlich Ansätze zur wirtschaftlichen Umsetzung des Vorhabens.

* ‚SPIEGELBILD‘ - Der Arbeitstitel des Entwurfes drückt die Wertschätzung gegenüber dem Platz als ‚öffentlichem und unprogrammiertem‘ Raum aus. Entspanntes Verweilen und zufälliges Treffen, informelles Spiel und alltägliches Passieren – der Platz und der ‚zarte, flüchtige Spiegel‘ werden zur Bühne, zum Spiegelbild des Urbanen. Die dem Ort eingeschriebene Charakteristik und Atmosphäre, präzise ergänzte Aufenthaltsangebote und Pflanzungen lassen einen attraktiven Ort für die AnwohnerInnen des Quartiers und die BesucherInnen des Zentralfriedhofs entstehen.