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Gemeinsam Berlin

Berlin klappt am besten, wenn alle mithelfen, aber wie können wir alle erreichen? Wie können stille Gruppen besser einbezogen werden? Stand der Forschung und Lösungsansätze (Arbeitsentwurf vom 6. Juni 2019)

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Lösungsansätze

Grundlegend sind zwei Fragestellungen wichtig, zum einen muss aufsuchende Beteiligung stattfinden mit dem Fokus auf der Frage, wen erreicht man wie und zum anderen sollten folgende Grundsätze (3.2.) beachtet werden, um die Qualität des Verfahrens zu sichern sowie eine bedachte Auseinandersetzung mit zur Verfügung stehenden Ressourcen und Finanzen stattfinden muss.

3.1. Aufsuchende Beteiligung

Bei der aufsuchenden Beteiligung geht es vor allem darum Menschen in ihrer gewohnten Umgebung aufzusuchen und anzusprechen, um den Zugang zu den Verfahren zu vereinfachen. Wichtig sind dazu:

  • Qualitative und quantitative Netzwerkanalysen der institutionellen Landschaften ermöglichen wichtige Einblicke. Welche Einrichtungen verfügen, über Zugänge zu welchen bestimmten Sozialgruppen und Milieus. Wer ist gut vernetzt und wer unterhält ein eigenes Teilnetzwerk oder ist gar nicht vernetzt. Diese Analysen ermöglichen konkrete Empfehlungen zur Optimierung der Vernetzung, Zusammenarbeit und Ressourcennutzung für eine verbesserte Mitwirkung der Bürger*innen. (Kuder, 2016) Auch sind sie hilfreich in der Recherche, welche Orte sich zur aufsuchenden Beteiligung anbieten.
  • Fokusgruppen aus zufällig ausgewählten, von Expert*innen benannten oder mit gleichmäßig über das Quartier verteilten Gesprächspartner*innen, gerade auch aus beteiligungsfernen/beteiligungsschwachen Milieus, ermöglichen den direkten, Vertrauen bildenden und aktivierenden Kontakt zu den Mitmenschen. Man erhält aus den Gesprächen ein Stimmungsbild, das in die Arbeitsprozesse und Beteiligungsbausteine eingebunden werden und ggf. als bürgernahes Korrektiv administrativer und politischer Sichtweisen dienen kann. (Kuder, 2016)
  • Zusätzlich ist die Kooperation mit Kulturdolmetscher*innen sehr hilfreich. Das Konzept zielt darauf ab, dass z.B. Menschen mit Migrationshintergrund eher den Kontakt zu anderen, ihnen kulturell nahestehenden, fremden Menschen finden, und mit ihnen über ihre Einstellungen, Werte, Bedürfnisse und Sorgen sprechen können. Alle Menschen, die besonderen Gruppen der Stadtgesellschaft nahestehen (z.B. Jugendbetreuer) oder den Zugang zu beteiligungsfernen Gruppen herstellen können, sollten als sogenannte Multiplikator*innen in die Arbeit eingebunden werden. (Kuder, 2016) und (Rohr, Ehlert, Möller, Hörster, & Hoppe, 2017)

3.2. Aspekte der Qualitätssicherung/sicherstellung von Verfahren

Für eine nachhaltige qualitative Verbesserung der gesellschaftlichen Inklusion bei Beteiligungsverfahren identifizierten der vhw, das IPG und die Stiftung Zukunft Berlin besonders nachfolgende Aspekte:

  • Bürgerschaftliche Mitverantwortung muss ernsthaft gewollt sein, es darf sich nicht um Pseudobeteiligung handeln.
  • Der Inhalt eines Verfahrens muss klar sein, vollständige Informationen müssen vorliegen und das Format angemessen und transparent sein. Das IPG hebt zusätzlich hervor, dass ein aktives Erwartungsmanagement betrieben werden muss, um realistische Handlungsspielräume aufzuzeigen. Zusätzlich muss die Barrierefreiheit der Zugänge (online und offline) gewährleistet werden. (Rohr, Ehlert, Möller, Hörster, & Hoppe, 2017)

Informationen müssen in einfacher Sprache für jeden verständlich kommuniziert werden, dazu kann es hilfreich sein über Sprache hinaus Informationen und Ideen zu verbildlichen.

  • Die Auswahl der Teilnehmenden muss begründet sein. Der Ansatz der Milieuforschung, erlaubt eine milieuspezifische, auf unterschiedliche Gruppen zugeschnittene Ansprache, über die gezielt eingeladen werden kann und ein breiteres gesellschaftliches Spektrum erreicht und an die politische Mitwirkung herangeführt werden kann oder je nach Anliegen auch nur bestimmte Gruppen gezielt angesprochen werden können. (Kuder, 2016) Durch unterschiedliche Rekrutierungsansätze (Einladungen, Zufallsauswahl, persönliche Ansprache etc.) und unterstützte on- und offline Formate können nicht nur jene erreicht werden, die sich leicht tun, an Bürgerbeteiligungsprozessen teilzunehmen, sondern auch jene, die vordergründig wenig Interesse aufweisen, denen öffentliche Mitwirkung und Meinungsäußerung eher fremd ist sowie jene, denen es schwer fällt, sich einzubringen. (Kuder, 2016)

Zusätzlich kann die spezifische Ansprache auch hilfreich sein, um unterschiedliche Milieus zu mixen, neue Begegnungen zu initiieren und auf Interessenüberschneidungen hinzuweisen.

  • Durch die aktive Mitwirkung an solchen Prozessen entwickeln Menschen angesichts der vertrauten Ergebnisse, die sie öffentlich präsentiert bekommen und als „ihre Stimme“ nachvollziehen können, ein Gefühl des Gefragt- und Gehörtwerdens. Sie fühlen sich ernst genommen und in der Gesellschaft akzeptiert und integriert. Nicht nur für die Transparenz, sondern auch für die Selbstwirksamkeitserfahrung sind die in- und externe Kommunikation der Prozesse und Ergebnisse und die mediale Resonanz darauf sehr wichtig. In Folge dessen nimmt auch die Bereitschaft der Mitwirkenden, sich künftig erneut an Dialogprozessen zu beteiligen zu und die Bereitschaft steigt, selbst unliebsame Entscheidungen zu akzeptieren, wenn sie auf der Basis gemeinsamer Diskussionen und transparenter Begründungen getroffen wurden. (Kuder, 2016)
  • Die Bürger*innen sollten auch nach Abschluss des Verfahrens beteiligt bleiben, um eine Kontinuität der Beteiligung zu erreichen.

Die Prozesse und Ergebnisse qualitativ hochwertiger, anspruchsvoller Beteiligungsformen mit einer hohen gesellschaftlichen Diversität verfügen in der Regel, aufgrund dessen über ein sehr viel höheres Maß an politischem Gewicht, Akzeptanz und demokratischer Legitimation, als herkömmliche Beteiligungsformate. Nur wenn sich, alle Mitwirkenden sich informiert, sowie fair und gerecht behandelt fühlen und sich die besten Argumente im Sinne des Gemeinwohls durchsetzen können, handelt es sich um ein hochwertiges Beteiligungsverfahren. (Kuder, 2016)

Viele Hemmschwellen sich zu beteiligen können zusätzlich durch eine optimale organisatorische und logistische Vorbereitung abgebaut werden (Bsp. Uhrzeit, Erreichbarkeit des Veranstaltungsorts, etc.).

Auch Einflussfaktoren wie die Vorgeschichte, der Grad des Vertrauens im Allgemeinen zu Verwaltung und Politik, frühere Erfahrungen und Konflikte, Haltungen und Rollen sowie wechselseitige Vorurteile spielen eine Rolle. (Rohr, Ehlert, Möller, Hörster, & Hoppe, 2017)

3.3. Ressourcen und Finanzierung

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Ressourcen und Finanzen, um Beteiligungsverfahren durchzuführen. Für Initiator*innen ist es oft schwierig den monetären Aufwand einzuschätzen, da der personelle Aufwand bspw. für viele mögliche Formate sehr hoch ist. Als Lösung schlägt die Allianz für Vielfältige Demokratie folgende Punkte vor:

  • man sollte Best-Practice-Modelle als Vorlagen nutzen
  • Werbung für Beteiligungsverfahren und ihre Vorteile in Verwaltung und Politik machen
  • man sollte lieber Vereinzelte gute Verfahren initiieren, als viele schlechte

(Orthmann, 2017)

Außerdem sollten „Bürgerorte“ etabliert werden, diese müssen öffentlich zugänglich und konsumfrei sein, sodass sie  als kontinuierliche Anlaufstelle und kostenloser Treffpunkt dienen. Diese Orte können sowohl festinstallierte Räumlichkeiten als auch mobile Konzepte sein und sollten durch virtuelle Plattformen ergänzt werden, um weitere Austauschmöglichkeiten zu bieten.