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Rückmeldung zum Siegerentwurf

Vom 8. September bis zum 2. November 2026 haben Sie hier die Möglichkeit, Rückmeldung zum Siegerentwurf des freiraumplanerischen Wettbewerbs „Schillingpromenade” zu geben. Ihre Rückmeldungen werden anschließend an das Landschaftsarchitekturbüro zur Einarbeitung weitergeleitet.

Was denken Sie über den Siegerentwurf?

Was gefällt Ihnen am Entwurf von dem Büro Franz Reschke Landschaftsarchitektur besonders gut? Welche Anregungen möchten Sie dem Planungsteam mitgeben? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit! Sie können den Entwurf absatzweise oder als Ganzes kommentieren.

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Erläuterungsbericht zum Entwurf

Annäherung und Leitidee

Die Schillingpromenade, als Teil der Siedlung Karl-Marx-Allee, wurde vor 65 Jahren konzipiert als Stadtraum für Alle: lebendig, urban, repräsentativ. Die Vision für die Zukunft, das vorliegende Konzept für die Umgestaltung der öffentlichen Freiräume entlang der Schillingpromenade, schreibt dieses Bild ohne Bruch fort, nur deutlich grüner, kommunikativer und mit mehr Platz für Fussgänger:innen und Radfahrende. Ein alltagstauglicher entschleunigter, klimaangepasster und gemeinschaftlicher Stadtraum mit Geschichte...

Entwurfs- und Nutzungskonzept

Die starke Figur des seit 1963 von Nord nach Süd über die gesamte Länge des Stadtraums ausgerollten Promenadenteppichs wird wieder aufgegriffen und herausgearbeitet. Die westlich liegenden Verkehrsflächen werden neugeordnet und machen eine Erweiterung der Grünflächen und des fussläufig nutzbaren Profils möglich. Die Schillingpromenade bietet so zukünftig mehr Platz für mehr Menschen. Die bereits in der ursprünglichen Gestaltung vorhandenen erhaben ausgebildeten Pflanzflächen in der Mitte der Schillingpromenade werden verbreitert und auch in Längsrichtung erweitert. So entsteht mehr Grün auf Augenhöhe und darüber hinaus ein die Promenade begleitendes Aufenthaltsangebot auf der flachen Einfassung. Der äußere grüne Rahmen der Promenade an der Schnittstelle zum umgebenden Quartier wird unter Hinzunahme von Flächen des ruhenden Verkehrs geordnet und erweitert. So entsteht unter anderem ein attraktiver, baumüberstandener ‚Salon‘ unter Integration der bauzeitlichen Schmuckwand von Regina Junge, auf den wegfallenden Stellplatzflächen südlich der Jacobystraße. Ausgehend von der Struktur des Bestandes und in Wechselwirkung mit dem Kontext gliedern facettenreiche Plätze und einladende Entrées das langgestreckte Promenadenband. Es entstehen so charakteristische und attraktive Freiräume für die Bewohner:innen des umgebenden Quartiers. Die Plätze nehmen temporäre Sondernutzungen auf, bieten aber auch im Alltag hohe Verweilqualität. Die Singerstraße wird durch die Promenade ebenfalls materialgleich gequert, was die Priorisierung der Bewegungsrichtung an dieser Stelle, ausdrückt. Die östliche Seite der Promenade bleibt bis auf wenige Baumsetzungen (im Bestand und punktuell ergänzt) frei – die Bespielung erfolgt aus der Erdgeschosszone der Bebauung. Die Entrées im Norden und Süden bleiben ebenfalls weitgehend frei und bilden so einladende und der Nutzungsintensität entsprechende Zugänge. Der Spielbereich wird aus dem Bestand heraus erweitert und bildet auch weiterhin einen ruhigeren, schattigen Abschnitt der Schillingpromenade.

Klimaanpassung und Ressourceneffizienz

Was heißt es innerstädtische, intensiv genutzte Stadträume klimaangepasst zu gestalten und zukunftsfähig zu machen? Wir wollen mehr Grün – mehr Bäume und mehr Grün auf Augenhöhe, wir wollen das Wasser vor Ort nutzen.Es gilt vernünftig zu bauen - mit sichtbar mehr Grün. Wir bauen optimalerweise mit dem was bereits da ist, verwenden es wieder, arbeiten es auf. Wir bauen so, dass in 20 - 40 Jahren die Dinge reversibel und reparierbar sind. Im besten Fall bauen wir so robust und hochwertig, dass die Dinge sehr gut altern...

In etwa 75 Baumneupflanzungen (auf öffentlichen Flächen) und die in die Gestaltung integrierten Bestandsbäume spenden der Schillingpromenade ihren Schatten. Durch ein Brunnen- und Wasserspiel wird der Stadtraum auf dem Brunnenplatz nördlich der Singerstraße abgekühlt. Zusätzliche Abkühlung bieten weiterhin drei neue Trinkbrunnen. Entsiegelung und offenfugige Bauweisen unterstützen die klimatische Entlastung. Es wird ressourcenschonend gebaut: wenn und wo möglich werden gebrauchte Materialien (wie die verschiedenen Betonplatten wiederverwendet. Robuste Konstruktionen ermöglichen Reparierbarkeit und ein gutes Altern der Oberflächen. Es sind durchgehend robuste und bewährte Bauweisen sowie dauerhafte und mit verhältnismäßigem Mittelaufwand unterhaltbare Flächen vorgesehen. Nach Möglichkeit werden die bestehenden Tragschichten erhalten bzw. wiederverwendet, was zur Nachhaltigkeit Wirtschaftlichkeit des Vorhabens beitragen kann. Für die Fahrbahnen und Parkplätze entlang der Fahrradstraße (Schillingstraße) ist im Hinblick auf das limitierte Budget der Erhalt der Oberflächen vorgesehen. Hier besteht weiterhin ein großes Potential zusätzlicher Entsiegelung.

Materialität und Denkmalensemble

Die Materialität für die Schillingpromenade wird aus dem Bestand und den Empfehlungen des Ausstattungs- und Materialleitfadens abgeleitet: Das gliedernde, aus dunklen Platten gebildete, Raster korrespondiert mit der Promenadenbreite. Die Formate und Oberflächen der Platten werden weitgehend übernommen, die beiden, bis heute ablesbaren, Bauabschnitte der Promenade in den 1960er Jahren bleiben auch zukünftig sichtbar. Für den südlichen Teil kommen großformatige Platten (ca. 120/120) zum Einsatz, im Norden die kleineren Platten (ca. 40/40). Wenn möglich werden intakte, vorhandene Platten wiedereingebaut. Für die Einfassungen ist eine schlichte Ausführung in hellem Werkstein, mit gesäuerter Oberfläche vorgesehen. Ein hoher Recycling-Anteil findet dabei nach Möglichkeit Berücksichtigung. Generell wird eine fortschreibende Interpretation der ursprünglichen Gestaltung vorgesehen. Um die Aufenthaltsqualität auf den Plätzen entlang der Promenade zu erhöhen werden wenige einzelne Bäume auch im Bereich der Plätze und der beiden Entrées vorgesehen. Die Sichtbeziehung zwischen den beiden Pavillonbauten vis-á-vis des Kino International bleibt dennoch erhalten. Um das Promenadenband freizustellen wird umlaufend ein schmales Fries aus Mosaik vorgesehen. Dieses ermöglicht deutlich bessere Schnittstellen zu den angrenzenden Gebäuden und Bauteilen.

Spielen in der Stadt

Die Stadt als Spielplatz - hier im wahrsten Sinne des Wortes. Das Motiv und Thema der ‚Plattenbauten‘ wird übersetzt in bespielbare Kuben unterschiedlicher Größe. Innen und außen, darunter und obenauf. Hoch und runter. Klettern, Hangeln, Verstecken und Entdecken. Transparent und durchlässig. Spielerisch und abenteuerlich für Kinder: Antennen, Fenster, Balkone. Ein Labyrinth. Die Kuben werden auch für den Jugendbereich aufgegriffen: Parcour, Fitness, Tischtennisplatten. Die Spielflächen selbst werden behutsam unter Berücksichtigung des Baumbestandes gestaltet. Als Fallschutz werden lose Beläge: Kies und Sand vorgesehen. Um zusätzlich ein vergrößertes Spielangebot zu schaffen, wird angeregt die Parkplatzfläche nördlich des bestehenden Spielplatzes hinzuzunehmen. Baumfrei bietet sie die Möglichkeit wertvollen Spielraum, direkt an der Promenade zu ergänzen.Auch im Bereich des Baumsalons wird gespielt, generationsübergreifend: Minigolf. Vielleicht wird aber auch geturnt und getanzt. Vielleicht aber auch nur abgehangen. Die Stapel der großformatigen Betonplatten lassen so manche Nutzung zu. Eine zusätzliche, temporäre bzw. saisonale Bespielung durch ein Spielmobil ist weiterhin sehr gut denkbar. Die wassergebundenen Decken nehmen flexibel auch spielerische Nutzungen auf und die verschiedenen Möbel bieten darüberhinaus sehr gute informell aneigenbare Strukturen.

Aufenthaltsqualität, Möblierung und Barrierefreiheit

Es wird eine robust-schlichte und gleichzeitig hochwertige Möblierung mit einer aus der Gestaltung der Ostberliner Bänke von Fritz Kühn abgeleiteten Stahl-Holzkonstruktion vorgeschlagen. Die differenziert und gleichwohl kohärent gestalteten Typen des Mobiliars lassen unterschiedliche Aufenthaltsangebote entlang der Schillingpromenade entstehen. Von der doppelseitigen Platzbank über Promenadenbänke bis hin zu locker gestellten Hockern unter dem südlichen Baumdach… Neben den Bänken bestehen sehr gut nutzbare Aufstellflächen für Kinderwägen und Rollstühle. Unterschiedliche Sitzhöhen und Aufstehhilfen machen die Möbel für Alle sehr gut nutzbar. Alle weiteren Ausstattungselemente werden schlicht und zurückhaltend gestaltet (Abfallbehälter, Fahrradbügel). Entlang der Schillingpromenade sorgen schlanke Lichtstelen für eine helle Grundbeleuchtung. Die Lichtpunkthöhe beträgt ca. 3,5 m. Die Leuchten arbeiten mit gerichteter Lichtabstrahlung und stark abgeblendeten Optiken; unnötige Lichtemissionen werden vermieden, Streulicht weitgehend ausgeschlossen. Eine Steuerung regelt die Lichtintensität von voller Leistung über eine reduzierte Abendstufe bis zur nächtlichen Grundbeleuchtung. Die Lichtmodule sind blendungsarm, insektenfreundlich und energieeffizient ausgeführt, mit warmweißer Lichtfarbe und sehr guter Farbwiedergabe. Durch den engfugig verlegten Plattenbelag ist eine sehr gute Begeh- und Berollbarkeit durchgehend gewährleistet, gleichzeitig ist durch die Oberflächenbearbeitung eine sehr gute Rutschhemmnis sichergestellt. Es wird ein in den Belag gefrästes Leitsystem über die gesamte Länge der Promenade vorgesehen. Zur Straße ist ein taktil spürbares Bord (2cm) angedacht.

Vegetationskonzept

Der wertvolle, wenn auch nicht in allen Teilen einfach zu integrierende Baumbestand aus verschiedenen Acer-Sorten wird erhalten und im gleichen ergänzt. Locker gestellte Akzente auf den Plätzen (Acer campestre ‘Elsrijk’ oder Acer truncatum) und in den Pflanzbeeten entlang der Promenade ergänzen das Bild. Ein dichter Kronenschirm überstellt die umgebenden Verkehrsflächen. Eine puffernde Strauchschicht, hält die Parkplätze ‘auf Abstand’. In den Pflanzflächen - robuste und trockenheitsverträgliche, extensive Mischpflanzungen (z.B. Luzula nivea, Euphorbia amygdaloides ‘Purpurea’, Lamium orvala etc.).

Regenwasserkonzept und Überflutungsbetrachtung

Eine flächendeckende Schwammstadt ist technisch möglich, jedoch voraussichtlich nicht in dem zur Verfügung stehenden Budget abbildbar. Aus diesem Grund werden ‘einfache’ und seit einigen Jahren erprobte Maßnahmen vorgeschlagen: Eine umfassende Entsiegelung von bislang steinernen Flächen, dazu ‘Grüne Gullies’, die einen großen Teil der Niederschläge (ca. 85%) der daran abgeschlossenen versiegelten Flächen (ca. 65 %) lokal versickern. Weitere, ca. 20% der zukünftig versiegelten Flächen werden über die Schulter, direkt über angrenzende Grünflächen abgeführt. Die verbleibenden ca. 15 % der steinernen Flächen sind auch weiterhin an den Kanal angeschlossen. Eine darüberhinausgehende kleinteilige Nutzbarmachung des Regenwassers, auch grundstücksübergreifend, kann im vorliegenden Entwurf integriert werden, auch dies scheint jedoch nur mit einem gesonderten Budget für die damit einhergehenden Maßnahmen möglich. Für die Dachflächen des Gebäudes Holzmarktstraße 75 wird eine Lösung mit einer Zisterne als sinnvoll erachtet um den Baumbestand in der südlich anschließenden Grünfläche zu erhalten. Die Maßnahmen der Starkregenvorsorge sind auf den Bestand abzustimmen: Baumerhalt, Denkmal, Nutzungsintensität und letztendlich auch auf das Budget. Entsprechend wird auch hier eine einfache Lösung vorgeschlagen: Spielflächen und straßenbegleitende Grünflächen werden wo möglich leicht abgesenkt.

Wirtschaftlichkeit

Der klar und eng gesteckte Kostenrahmen für das anspruchsvolle Vorhaben ‚im Bestand‘ wird als integraler Bestandteil der Entwurfsaufgabe und -lösung verstanden. Die tlw. Aufarbeitung und Wiederverwendung der Beläge und der nach Möglichkeit weitgehende Erhalt der bestehenden Tragschichten sind essentielle Ansätze zur wirtschaftlichen Umsetzung. Generell ist es das Ziel ‚einfach und vernünftig‘ zu bauen und den ressourcenbezogenen Fussabdruck des Vorhabens gering zu halten, den Bestand wo möglich und sinnvoll mitzunehmen. Für die Umsetzung einer flächendeckenden, komplett vom Kanal entkoppelten, Schwammstadt ist das Budget voraussichtlich nicht vollumfänglich ausreichend, was jedoch durch einfache, aber gute Bauweisen und Details kompensiert werden kann.

Verkehrs- und Erschließungskonzept, Veranstaltungen

Die Führung des übergeordneten Radverkehrs über die Schillingstraße und ggf. auch über die Magazinstraße beugt möglichen Konflikten resultierend aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten entlang der primär für Fussgänger:innen konzipierten Promenade vor. Es wird angestrebt einzig den Fahrrad-Zielverkehr auf der Promenade zu führen. Fahrradabstellmöglichkeiten sind dementsprechend in Fahrbahnnähe an der Westseite der Promenade vorgesehen. Auf den Plätzen und in den Randbereichen entsteht so mehr Raum für Aufenthalt und für verschiedenste Aneignung. Der ruhende Verkehr im öffentlichen Straßenraum wird umfassend neugeordnet. Es sind im Wettbewerbsgebiet zukünftig noch etwa 100 PP vorgesehen. Die verbleibenden Parkplätze werden entsiegelt und durch ergänzende Bäume gegliedert, die Gehwege und Platzflächen werden erweitert. Alle befestigten Bereiche der Schillingpromenade sind grundsätzlich für die Nutzung im Rahmen von Veranstaltungen sowie für Rettungsfahrzeuge befahrbar ausgelegt. Die einzelnen Plätze stehen für kleinere Veranstaltungen unterschiedlicher Art und Größe zur Verfügung. Insbesondere der südlich der Singerstraße vorgesehene ‚Markt an der Schillingpromenade‘ ist hierfür geeignet. Bei Bedarf demontierbare Möbel und vorgehaltene Infrastruktur ermöglichen eine sehr gute Nutzbarkeit und hohe Flexibilität.

Integration Bürgerbeteiligung

Die in Vorbereitung des Wettbewerbes dokumentierten Wünsche der Bürger:innen zeigen die Bandbreite der Lesarten und Erwartungen an den zukünftigen Stadtraum. Die hohe Bedeutung der Promenade für das alltägliche Zusammenleben wird dabei ebenso deutlich. Die übergeordneten Motive und Wünsche: mehr Grün, mehr Wasser, das Aufgreifen der Historie des Ortes sowie der Wunsch nach Raum für Begegnung und Spiel. Die Flächen entlang der Promenade und die Plätze bieten dafür ein großes Potential. Im Rahmen der weiteren Ausarbeitung des Projektes wird eine Mitwirkung und Beteiligung insbesondere zu den Themen Nutzungs- und Spielangebote als wertvoll erachtet. Der ebenfalls geäußerte Wunsch nach dem Erhalt von Parkplätzen wurde abgewogen, gleichwohl sollte in jeder der ‚großen‘ Baumaßnahmen, ein mutiges Stück weit in die Zukunft gedacht werden. Die ÖPNV Anbindung des Stadtquartiers rund um die Schillingpromenade ist sehr gut, was den umfassenden Rückbau folgerichtig erscheinen lässt. Generell wird die Promenade an den Bedarfen der Fußgänger:innen orientiert.

Integration privater Flächen / stufenweise Realisierbarkeit / Teilbereiche

Die nördlich des Spielplatzes gelegenen privaten Stellplatzflächen werden als Potentialfläche für eine zusätzliche Erweiterung des Spielangebotes gesehen. Durch die Erweiterung wird die Wohnqualität im direkten Umfeld zusätzlich erhöht und es besteht so ein hoher Anreiz die Parkplatznutzung an dieser Stelle aufzugeben. Die weiteren Flächen im Umfeld der Promenade werden aus dem Bestand heraus weiterentwickelt: verbesserte Verbindungen vom U-Bahnhof und aus dem Quartier sowie die Entsiegelung von bislang vollversiegelten Stellplätzen. Eine schrittweise Umsetzung ist möglich. Es scheint sinnvoll zunächst die Fussgänger:innenbereiche der Promenade umzusetzen um die Straße als Baustelleneinrichtungsfläche nutzen zu können. Für die Promenade ist eine Teilung in zwei Abschnitte gut denkbar (Trennung Singerstraße).  


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