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Ortsidentität und Leitbild

Das Planungsgebiet wird mit dem Motto „Alles fließt“ als verzweigtes Flussbett interpretiert, in dem zahlreiche Inseln unterschiedlichster Größe und Beschaffenheit zwischen den Verkehrsströmen ausgebildet wurden.

Diese Inseln sind teilweise alte, durch den Verlauf und die Verschneidungen der Bahn- und Stadtbahnlinien entstandene Flächen, die zum großen Teil von Ansiedlungen informeller Nutzungen geprägt sind. Eine Sonderstellung nimmt die große Gleislinse des ehemaligen Güterbahnhofs Grunewald ein, die sich vom Bahnhof Grunewald bis zum Westkreuz erstreckt. Eine grundsätzlich andere Prägung haben die Inseln bzw. Restflächen, geschaffen durch den Ersatzneubau des Autobahndreiecks Funkturm.

An den Ufern dieses „Verkehrsdeltas“ wird von historische und denkmalgeschützte Stadtbausteine – vom ICC, dem Funkturm und der Avus-Tribüne über das Westkreuz bis hin zu der markanten Abbruchkante zwischen Dernburgstraße und Autobahn - der ikonografische Stadteingang nach Westberlin - gewissermaßen als Ort des ersten Erkennens - räumlich gefasst.

Konzeption

Grundlage unserer städtebaulichen Setzung ist die Bewertung der Inseln hinsichtlich ihrer Eignung für urbane Nutzungen bzw. der Sinnfälligkeit einer Bebauung im Verhältnis zum Aufwand der Erschließung. Unser Schwerpunkt ist die Schaffung von in sich funktionierenden Quartieren bei Vermeidung von schallumtosten Solitären. Für hochbauliche Entwicklungen nicht geeignete Inseln werden in einem landschaftlichen Gesamtkonzept zusammengefasst und bilden durch Bepflanzung und Entsiegelung den Ausgleich zur baulichen Verdichtung auf den „Hauptinseln“. Eine Verbindung in Form einer Highline für den nichtmotorisierten Verkehr verknüpft die Inseln mit den Ufern und bietet einen direkten Weg hinweg über die Barriere dieses immensen Verkehrsraumes vom Westpark in Charlottenburg bis hinein in den Grunewald.

Auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs, das sich auf Grund seiner vergleichsweisen großen Dimensionen für eine städtebauliche Entwicklung am ehesten eignet, wird die Realisierung eines Wohnquartiers vorgeschlagen. Mit dem Thema „Harte Schale, weicher Kern“ werden mit dem UCC (Urban Consolidation Center, eine Art Güterverteilzentrum) im Süd-Osten und einer überwiegend geschlossenen Bebauung im Nord-Westen bauliche Lärm Barrieren geschaffen, in deren Schutz ein Quartier mit öffentlichen und privaten Räumen eingepasst wird. Die baulichen Relikte des Güterbahnhofs entlang und im Norden der Cordesstraße werden als musealer Nukleus erhalten und arrondiert. Hier ist eine kulturelle sowie gewerbliche Nutzung um einen zentralen Marktplatz vorgesehen. Zwei je 60m hohe Hochpunkte an den Enden markieren weithin sichtbar als Landmarken die Ausdehnung der Insel.

Auf dem schmaleren Reitschulgelände, das sich zwischen der Avus und den Gleisverläufen der S- bzw. Regionalbahn erstreckt, wird eine Bebauung vorgeschlagen, die sich innerhalb der Footprints der vorhandenen Bebauung bewegt und so den schützenswerten Baumbestand weitestgehend erhält. Hier ist studentisches Wohnen, Wohnen für Neuberliner gut vorstellbar. Die unmittelbare Nähe des Bahnhofs Grunewald gewährleistet eine schnelle Verbindung zu den Hochschulen in Berlin und Potsdam gleicherweise.

Die Gebiete um und am Hochhausbahnhof Westkreuz (die Kleingärten im Westpark, das Artemis- und ATU-Gelände) werden in der weiteren Bearbeitung hinsichtlich einer städtebaulichen Arrondierung mit Sonder- bzw. Gewerbenutzungen untersucht und bewertet. Eine Wohnnutzung erscheint hier – auf Grund der überdurchschnittlichen Lärmbelastung nicht sinnfällig.

Die zentralen - von dem Ersatzneubau des Autobahndreiecks Funkturm dominierten und zerschnittenen Inseln bieten sich nicht für eine klassische urbane Besetzung an. Hier soll mit einer gestalteten Grünanlage mit Sport und Freizeitangeboten eine durchlässige nicht versiegelte Landschaft, als Ausgleich für den hohen Versiegelungsgrad durch das Autobahndreieck, geschaffen werden.

Als Highline wird die von Nord-Osten nach Süd-Westen verlaufende - dem nicht motorisierten Verkehr vorbehaltene - Wegstrecke bezeichnet. Sie verbindet das Charlottenburg nördlich der Stadtbahn mit dem Grunewald und erschließt – mit zahlreichen Zu- und Abfahrten – die Inselwelt. Ausgehend von der bereits geplanten Verbindung von der Rönnestraße zum Westkreuz durch den Westpark, schwingt die Strecke in einem Bogen um das Westkreuz und schwenkt dann als abgespanntes Brückenbauwerk nach Südwesten über die Stadtautobahn und die Gleisanlagen Richtung dem neuen Stadtquartier an der Cordesstraße und schließlich Grunewald. Dieser neue elementare Baustein wird in der weiteren Bearbeitung hinsichtlich seiner Höhenlage, den Zu- und Abfahrten und der Anbindung von weiteren Radstrecken vertieft. Die Highline wird, als filigranes, gleichermaßen markantes Bauwerk entworfen und steht als in die Zukunft weisendes omnipräsentes Symbol auch für die Verkehrswende „über“ den tradierten Verkehrsflüssen am Stadteingang West.

Der Log Point der Messe, ein Aufstellplatz von bis zu 140 LKWs, wird unterhalb des breiten Autobahnbauwerks an der Avus und unter die ehemalige Avus entlang der Tribüne nachgewiesen. Hintergrund dieses konzeptionellen Ansatzes ist, so und so versiegelte Flächen zweifach zu nutzen und ein Maximum an nicht versiegelten Flächen im Bereich des Autobahndreiecks zu erhalten.

Das UCC wird, wie bereits beschrieben, als nutzbare Lärmschutzwand zwischen dem neuen Quartier und dem Wartungsbereich der DB platziert. Zwei, über Wendelrampen erschlossene Parkdecks und weitere der Öffentlichkeit zugängliche Nutzungen - wie Coworking-Mietflächen, Urban Farming und Sportflächen – vervollständigen diesen Zweckbau zu einem das Quartier ergänzenden Hochbau.

„Wir wollen es wie in der Ägäis machen. Auf die Hauptinseln siedelt man, weil es dort sinnvoll ist, etwas einzubauen und die kleinen Inseln werden der Natur überlassen“