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Ein autofreier Nachdenk- und Verweilort. Mit Luft zum Atmen, einem markanten Symbol und bitte keinem Hochhaus

1) Der Nachdenkort/das reflektierende Museum halte ich für ein Muss, sofern es den Horizont über Berlin als einen Symbolort des Kalten Krieges hinaus öffnet: der Kalte Krieg spaltete nicht nur diese Stadt und dieses Land, sondern ganz Europa, führte weltweit zu ideologisch befeuerten Stellvertreterkriegen und hinterließ vielerlei Feindbild-Spuren, die bis heute nachwirken. Und Rückfälle sind leider nie ausgeschlossen.... Aber wichtig ist auch zu zeigen, wie der Kalte Krieg überwunden wurde, auch an diesem Ort, an dem sich die Panzer aus Ost und West zwar gegenüberstanden - aber eben nicht aufeinander schossen.

2) Der Ort wird ein von Touristen angelaufener bleiben, wenn er eine klug konzipierte Freifläche mit Verweil- und Nachdenkstationen und ohne Autoverkehr erhält und nicht durch Hochhausbebauung erschlagen wird. Bei den Anhörungen war herauszuhören, dass sogar die Berliner Traufhöhe an dieser Stelle ausgehebelt werden soll um dem Architekten als Ersatz für Freifläche ein markantes Hochhaus zu ermöglichen. Das wäre fatal. Hier sollte auch der Architekt einsehen, dass der Verzicht auf Bebauungsfläche diesen Platz viel attraktiver macht.

3) Auf die Freifläche (die sich möglichst sogar auf beide Straßenseiten erstrecken sollte), sollten in einer ansprechenden Architekturform die historischen Großfotos verteilt werden, die derzeit schon an der Umzäunung der Strandbar hängen. Sie erlauben höchst funktional (und sehr rege genutzt) Berlinern und ihren Besuchern auf einfache Weise einen Zeitsprung zurück, um zu begreifen, was hier Geschichte war. Denkbar wären ergänzend  große Filmwürfel im Dauerbetrieb mit stummen Videos von einst, die dann auch nachts Geschichte austrahlen.

4) Im ersten Moment klingt es vielleicht albern. Aber warum nicht auch hier zusätzlich ein außergewöhnliches Denkzeichen setzen? Von Carl Fredrik Reuterswärd gibt es den verknoteten Revolver vor der Uno als einprägsam friedenststiftendes Symbol. Warum nicht hier am CpC einander gegenüber zwei Panzer von 1961 aufstellen, aber ihre Rohre miteinander verknotet, also außer Funktion und symbolisierend: der Kalte Krieg ist (zumindest) hier überwunden.

5.) Dort wo es auch historische Spuren gibt, sollten sie nicht zweckentfremdet werden. Das alliierte Kontrollhäuschen vor dem Fluchtgeschichte-Museum am Checkpoit Charlie wurde schon vor einer ganzen Weile (von der Museumsleiterin?) mit einem großen Foto von Museumsgründer Hildebrandt ausgestattet - wie ein Weihetempel. Das ist ziemlich daneben, Kitsch wuchert durch die Kostümfotografen an dieser Stelle schon genug.

hokul
Referenznr.: 2018-02780