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B. Einleitung – Berlin: Eine grüne Stadt

Allgemein

Berlin ist eine grüne Stadt.

Sowohl die Berliner*innen als auch die Besucher*innen unserer Stadt schätzen die zahlreichen und vielfältigen Natur-, Grün- und Wasserflächen im Stadtgebiet sehr. Von den großen und kleinen Wäldern und Parks, den begrünten Alleen, Plätzen und Straßenräumen über die vielen Seen, Flüsse und Kanäle bis zu den Sportflächen, Privatgärten und den Kleingartenanlagen – sie alle prägen das Stadtbild und das Lebensgefühl Berlins. Dieses „grüne Vermögen“ haben wir geerbt.

Dieser eiszeitlich geprägte Naturnachlass macht die Berliner Stadtlandschaft unverwechselbar. Müggelsee, Spree und Havel zeichnen das Berliner Urstromtal als blaues Band in die Stadt. Die kiefernbestanden Dünen des Grunewalds, die Müggelberge oder die Hönower Weiherkette, sie alle sind Zeugen der Naturgeschichte und beliebte Ausflugsziele. Diese vielfältige Landschaft bietet heute unterschiedliche Lebensräume für viele Pflanzen und Tiere – mitten in der Stadt.

Das grüne Kulturerbe erzählt von der bewegten Geschichte Berlins: Das Stadtbild ist geprägt von den königlichen Parkanlagen vom Schloss Charlottenburg, dem Großen Tiergarten oder dem Glienicker Park. Darüber hinaus gibt es beispielsweise die ehemaligen Rieselfelder in Gatow, die Trümmerberge der Nachkriegszeit oder jüngere Grünanlagen wie den Mauerpark, den Park am Gleisdreieck, den Landschaftspark Johannisthal oder das Tempelhofer Feld. Berliner*innen nutzen diese grünen Oasen selbstverständlich – und eignen sie sich dabei an. Auch die zahlreichen Gebäude mit ihren Dächern und Fassaden bieten ein erhebliches Potential für ein Mehr an Stadtgrün.

Berlin verändert sich. 

Nach Jahren eines stagnierenden Bevölkerungswachstums wächst Berlin wieder. Die vielen Menschen, die in unsere Stadt kommen, tragen zu ihrem wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Reichtum und zur Vielfalt bei. Mit ihnen steigt der Bedarf an Wohnraum, aber auch die Nutzung von und die Nachfrage nach Grünflächen. Gleichzeitig schafft das damit verbundene wirtschaftliche Wachstum auch die Voraussetzungen für die Qualifizierung und Entwicklung von Stadtgrün, die Renaturierung von Gewässern oder die Möglichkeit, neue Naturerfahrungsräume zu schaffen.

In einer wachsenden Stadt mit zunehmendem Nutzungsdruck auf vielen Flächen, konkurrierenden Perspektiven, Interessens- und Zielkonflikten ist nicht nur die Verteilung von Siedlungs- und Freiräumen eine fordernde Fragestellung, auch die Qualität und die Instandhaltung und Pflege des bestehenden Stadtgrüns ist in den Fokus zu stellen. Das hat nicht zuletzt auch damit zu tun, wie Städter*innen heutzutage Grünflachen nutzen. Denn die Lebensstile der Stadtgesellschaft wandeln sich und differenzieren sich weiter aus. Sie werden dabei vor allem immer vielfältiger, neue Bedürfnisse und Konflikte entstehen. Damit das Stadtgrün auch in Zukunft seine ökologischen, klimatischen, sozialen, gesundheitsförderlichen und ökonomischen Funktionen erfüllen kann, muss es im Einklang mit der wachsenden Stadt und den vielfältigen Lebensstilen und Nutzungsperspektiven respektiert, gestärkt und entwickelt werden.

Die Charta für das Berliner Stadtgrün setzt dabei auf die bereits vorhandenen planerischen und stadtentwicklungspolitischen Initiativen, Planwerke und Programme auf. Die wichtigsten sind: Der Flächennutzungsplan, der Nutzungsarten und die Bebauungsdichte festlegt, und das Landschaftsprogramm einschließlich des Artenschutzprogramms, in denen die grüne Flächenkulisse sowie die Ziele und Maßnahmen der Landschaftsplanung gesamtstädtisch dargelegt werden. Ergänzt werden diese Planwerke z. B. durch die Strategie Stadtlandschaft, die Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt und den Stadtentwicklungsplan Klima. Alle diese Planungsinstrumente sind dynamisch angelegt, d. h. sie werden kontinuierlich weiterverhandelt und fortgeschrieben.

Das Stadtgrün ist wichtig.

Berlin ist ohne sein Stadtgrün undenkbar. Neben seinem historischen und kulturellen Wert erfüllt es wichtige Funktionen für die Hauptstadt. Für eine globalisierte und hochdynamische Stadtgesellschaft bieten grüne Oasen wichtige Ruhe- und Besinnungsorte. Als Naturerlebnisraum ist es von unschätzbarem Wert – nicht nur für Stadtkinder. Für viele ist der Park um die Ecke das „grüne Wohnzimmer“. Als Begegnungsort für alle Bevölkerungsschichten fördert es den sozialen Zusammenhalt der Menschen, als Sport- und Bewegungsraum die Gesundheit.

Deshalb wohnen Berliner*innen und Neu-Berliner*innen gerne im Grünen oder in der Nähe eines Parks. Auch für die vielen Besucher*innen liegen viele wichtige touristische Ziele im Grünen. In diesem Sinne ist das Berliner Stadtgrün ein Standortvorteil.

Natürlich bietet das Stadtgrün auch für Pflanzen und Tiere eine Vielzahl von Lebensräumen. Mit mehr als 20.000 Tier- und Pflanzenarten gehört der Ballungsraum Berlin zu den artenreichsten Regionen in Deutschland.

Nicht zuletzt hat das Stadtgrün wichtige regulierende Funktionen für Klima, Luft und Boden: Stadtbäume spenden Schatten, Grünflächen kühlen, unversiegelte Böden nehmen Wasser auf. Das Stadtgrün verfügt über vielfältige Möglichkeiten, die Folgen des Klimawandels und extreme Wetterereignisse zu lindern.

Berlin wächst grün.

Eine wachsende Stadt wie Berlin braucht neue Wohnräume, Schulen, Büro- und Gewerbeflächen, Radwege und vieles mehr. Wo neue Stadtquartiere entstehen, müssen oft grüne Flächen weichen. Der darin enthaltene Zielkonflikt der Flächenkonkurrenz kann produktiv gelöst werden. Der grundlegende Gedanke der Charta ist, dass das Wachstum der Stadt und eine hochwertige grüne Infrastruktur zusammengehören und gemeinsam entwickelt werden.

Der bereits bestehende Grundsatz der Gleichzeitigkeit in der Stadtentwicklung – damit ist gemeint, dass Bebauung, Infrastruktur und auch die grüne Infrastruktur gleichzeitig geplant und umgesetzt werden – wird konsequente Anwendung in allen planerischen Prozessen finden.

Referenznr.: 2018-03380