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Mobilität der Zukunft? Gedanken zur Verbesserung der Lebensbedingungen am A100 Abschnitt zwischen Westend und Westkreuz

Straßenlärm
Maßnahme: Pflanzen von Bäume
Maßnahme: Verkehrsfluss organisieren (Verlagerung, Verkehrsfluss verbessern, Lieferzonen, Parkraumbewirtschaftung)
Maßnahme: Schienenverkehr leiser machen
Maßnahme: Lärmschutzwände oder -wälle
Maßnahme: Vorstrecken des Gehwegs
Maßnahme: Fußwege erweitern und verbessern (Aufheben des Gehwegparkens)

Es gibt so einige Orte in Berlin, da hat man es als Anwohner nicht wirklich leicht, wenn man eine gewisse Empfindlichkeit für Lärm besitzt.

Es gibt allerdings auch einige Orte in Berlin, die sind so laut und belastet mit Verkehr, Dreck und Gestank, dass sie nach einer Weile wirklich jeden belasten, der gezwungen ist, sich in ihrer Nähe aufzuhalten, vor allem die Anwohner.

 

Was ging hier schief?

Als in West-Berlin vor 60 Jahren der erste Spatenstich für die heutige A100 gesetzt wurde, hat man sich noch nicht viele Gedanken über Lärmschutz oder Luftreinhaltung gemacht (bzw. falls solche Gedanken erhoben wurden, flossen sie wohl kaum in die abschließende Planung und Bebauung der Strecke mit ein - ich beziehe mich in meinen Ausführungen allerdings nur auf das Stück zwischen dem ICC und dem S-Bahnhof Westend).

Denn in diesem Bereich befindet sich die Autobahn (mit 6 Spuren) in einer Troglage zwischen 2 Mauern auf jeder Seite, auf denen Wohn-, Erholungs- und Arbeitsgebäude stehen. Hinzu kommen noch mehrere schienen, auf denen die Ringbahn verkehrt, sowie gelegentlicher Güterverkehr (der nochmals sehr viel lauter ist, als Ringbahn und Autoverkehr zusammen). 

 

Sind wir wirklich zukunftsorientiert, oder nur industrialisiert?

Erschütternd ist der Fakt, dass sich nur die allerwenigsten Hauseigentümer, die Häuser entlang der Autobahn und des Schienennetzes besitzen, in den letzten Jahren darum gekümmert haben, schallisolierende Fenster einzubauen. Die Stadt zeigt da allerdings noch weniger Engagement (obwohl die Autobahn ja nunmehr seit 60 Jahren ihrer Verwaltung unterliegt) - und als Mieter mit geringem Einkommen kann man leider gar nix machen, wenn man sich etwas mehr Nachtruhe wünscht, da neue Fenster i.d.R. sehr teuer sind und eine staatliche Subventionierung für den Einbau und Kauf der Fenster nur vom Eigentümer beantragt werden kann. 

Zudem ist unklar, an wen man sich als Mieter überhaupt wenden könnte, um Hilfe zu erhalten - den Bund?, die DB?, die Stadtverwaltung?

 

Mittlerweile passieren über 180.000 Autos und Großfahrzeuge diese Strecke - jeden Tag. Die Menge an Feinstaub und Stickoxiden, die hier entsteht, sollte eigentlich keinem Bewohner eines westeuropäischen Landes im 21. Jahrhunderts zugemutet werden (Natürlich weis ich, dass es in anderen Ländern zum Teil noch viel schlimmer aussieht, aber niemandem sollte so etwas zugemutet werden, egal wo man wohnt oder von wo man herkommt.

(Das im Osten der Stadt gerade noch so ein Ungetüm gebaut wird - anscheinend sogar illegal (da das Planfeststellungsverfahren für los 7 des 16. Bauabschnitts noch gar nicht beendet ist)-, ist ebenso verwunderlich, wie das sich entlang der Kaiserdammbrücke, seit dem Bau der Autobahn eigentlich nichts mehr verändert hat. 

 

Ein bisschen Physik

Dadurch, dass die Autobahn von beiden Seiten bebaut ist, wird der Schall auch von beiden Seiten reflektiert - und verstärkt. Das führt dazu, dass in den Wohnungen zu beiden Seiten der Strecke, weitaus mehr Lärm ankommt, als auf Höhe der Straße. 

 

Wenn man das Fenster etwas länger aufmacht, sind Kopfschmerzen nicht selten die Folge. Und es leiden ja nicht nur die direkten Anwohner der Autobahn, sondern auch alle, die östlich von ihr wohnen denn dahin weht meistens der Wind) sowie auch die Umwelt und damit wir alle.

 

Was könnten wir nun tun? Was erfordert die Zukunft?

Wahrscheinlich werden wir auch in näherer Zukunft noch nicht auf den Verkehr mit Autos verzichten können, und diese Autobahn wird wohl auch in 50 Jahren noch voll befahren sein, aber gerade deshalb sollten wir heute schon alles daran setzen, den Verkehrsfluss für alle Teilnehmer und die vom Verkehr Betroffenen so verträglich wie möglich zu gestalten. 

Dazu braucht es mehr Engagement in Sachen Lärmschutz und Schadstoffminimierung. 

 

Im Hinblick auf das globale Artensterben, den immensen Energieverbrauch unserer Gesellschaft, den zunehmenden Verkehr (mit dem dies alles auch zusammenhängt), die fortschreitende Klimaveränderung und auch mit Hinblick auf das Leben, welches wir in Zukunft in dieser Stadt erleben wollen, sollten wir auch Alternativen fördern, die schon von ihrer allgemeinen Funktionsweise her verträglicher für den Menschen und die Umwelt sind (öffentliche Verkehrsmittel, energieeffiziente Sharing- und Leihkonzepte, Fuß- und Radwege). Städtebau muss einer nachhaltigen Zukunftsplanung entsprechen.

 

Wie sehe nun ein Konzept für den Autobahntrog aus?

Man könnte es sich sehr einfach machen: und die  komplette Strecke einfach übertunneln. Würde ziemlich viel Geld kosten, aber man scheut sich ja auch nicht Milliarden in Flughäfen zu stecken, die wohl nie öffnen werden (oder andere Milliarden in wenige Autobahnkilometer). 

Man könnte es sich aber noch einfacher machen und ein bisschen günstiger, wenn man nur kleine Überhänge (so breit wie die 3 Fahrstreifen) zu beiden Seiten des Trogs baut, und nach unten mit sogenannten Gabionen abschließt (das sind günstige Gitter-Wände, in denen Schotter ist). Diese Wände absorbieren Schall gut und ließen sich sehr leicht mit rankenden Pflanzen begrünen, welche durch ihre Eigenschaft als Luftreiniger, die Qualität der Luft deutlich erhöhen würden. Oben auf den Überhängen, könnte man Fußgängerzonen und eine Fahrradschnellstrecke vom Westkreuz bis zum Schloss Charlottenburg einrichten, sowie kleine Grünanlagen, oder auch zusätzliche Parkplätze schaffen. Die Optionen wären vielfältig, der Nutzen eines Überbaus über die Autobahn (mit anschließender Begrünung) ist in jedem Fall vorhanden, - für die Anwohner, für die Berliner und für die Zukunft.

Cdrend
Referenznr.: 2018-01826