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MittenDrinImWrangelkiez Vision

Vision für den Wrangelkiez

in Bezug auf den Vorschlag von Florian Fleischmann.  

Die Frage ist, ob sich diese Vision auf die „Lebenswelt“ des Wrangelkiezes bezieht.

Wir leben hier seit Mitte der 1980-er Jahre und haben uns bewusst für diese Gegend entschieden.

Wenn wir, bzw. ich vor die Haustür trete, fallen mir im Kiez ganz andere Probleme als eine nötige Verkehrswende auf. Folgende Probleme fallen sofort ins Auge:

  • wachsende Vermüllung (vor die Tür gestellte ausrangierte Möbel, fallengelassener Müll, ad-hoc stehengelassene/umgefallene E-Roller, u.a.)

  • Zunahme von Obdachlosen, (das heißt nicht, dass wir sie vertreiben wollen). Allerdings gelten „Grenzen und Konventionen“ für beide Seiten. Verdrängung um die Ecke ist keine Lösung.

  • große Zunahme von Drogenkonsumenten, die offensichtlich andere Drogen, als Marihuana (legalize it!) zu sich nehmen und unberechenbar agieren. Daraus zunehmende Aggressivität gegen die Anwohner. Das heißt, dass ganz besonders Frauen (auch körperlich übergriffig) bedroht werden. Wir wünschen uns „Drogenkonsumräume“, um den Konsum aus dem öffentlichen Straßenbild in geschützte Räume zu verlegen („Fixpunkte“), wo zudem geschultes Personal ggf. Hilfeangebote (zum Ausstieg, Wohnungssuche etc.) machen kann.

  • Nicht mehr benutzbare Spielplätze, da vermüllt, zugekackt und zugepisst und mit den Resten des Drogenkonsums der vergangenen Nacht kontaminiert. Es wäre nötig den Kindern die Spielplätze wieder bespielbar zu gestalten und für die Pflege zu sorgen.

  • Fraglich ist auch, ob Eltern in der heutigen agressiv-unberechenbaren Atmosphäre überhaupt bereit wären, ihre Kinder allein, ohne Aufsicht, ohne Begleitung im öffentlichen Raum spielen zu lassen.

  • Die derzeitige Lösung der Quersperren von Falcke- und Cuvry-Straße führt eher zur Verunsicherung unter den Verkehrsteilnehmern, da die Verkehrsregelung anscheinend nicht klar ist. Langsamer fährt dadurch leider niemand, eher noch aggressiver. Zur Verkehrsverlangsamung erscheinen uns Bodenschwellen als geeigneteres Mittel.  

Keine Straßenbahn durch die Falcke und den Görli: Folgende Punkte sprechen, unserer Meinung nach dagegen:

  • die Enge der Bebauung,

  • die Vielzahl der Außengastronomie und deren Besucher, Touristen, Mittagspäusler (Universal, CocaCola, Osthöfe, zukünftig der ex. Cuvrybrache etc.) und

  • die besondere Gefahrenquelle für Kinder, die von der Eisdiele kommend zum Spielplatz/Familienzentrum die Falcke überqueren. Jede/r der Kinder begleitet, wird wissen, was wir meinen.

 

Eine Straßenbahnführung durch den Görli? erscheint noch weniger von Vorteil. Besonders kontraproduktiv wäre es das Areal zu zerteilen, in dem sich Kinder relativ frei bewegen können und das erreichte somit wieder zerstört würde.

Zudem haben wir jetzt schon eine sehr gute BVG-Anbindung zum Hermannplatz, durch den M29er und andere Buslinien, oder mit der U-Bahn über den Kotti. Und die Pannierstraße stellt eine der wenigen verbleibenden PKW-Routen `raus aus dem Kiez dar. Unserer Meinung nach wäre eine Verlängerung der Straßenbahntrasse von der Warschauer Str. bis zum Schlesischen Tor nützlich, um die Anbindung zum ehemaligen Ostteil der Stadt zu verbessern. All das UND zusätzlich noch mehr Lärm und Bewegung im schwer frequentiertem Kiez sprechen gegen diesen Plan.

Autofreie Görlitzer Str. / Umfahrung des Görlitzer Parks? Absperrung des gesamten Kiezes durch versenkbare Poller? Es reicht nicht, den vorhandenen PKW-Verkehr in die umliegenden Straßen zu verdrängen, was wiederum dort zu einer Verschärfung der sowieso angespannten Situation führt. Die Menschen werden ihre PKW nicht abschaffen, wenn das Fahren erschwert wird, sondern eher, wenn bezahlbare, gut durchdachte Alternativen geboten werden. Unserer Meinung nach, sollte man nicht so kleinteilig (gebietsmäßig) denken, sondern die gesamte Stadt mit einbeziehen. Der städtische PKW-Verkehr nimmt auch durch Gentrifizierung zu (Verdrängung aus dem Innenstadtbereich, durch die Trennung von Wohnen und Arbeiten, Verdrängung des (Klein-)Gewerbes in fußläufiger Entfernung durch ungeschützte Mietverträge. Das muss geändert werden!)

  • Ein funktionsfähiges S-Bahn-Netz

  • Ausbau der Park & Ride- Möglichkeiten (zu bezahlbaren Preisen)

  • Jahresticket der BVG für 365,-€ /1,-€ pro Kurzstrecke (siehe Wien)

  • Keine Umlenkung der Verkehrsflüsse von den Hauptstraßen in die Nebenstraßen, wie z.B. durch die Einbahnstraßenregelung (Mariannenstraße: drückt den Verkehrsfluss in die nächste Straße: Manteuffelstr. (viel enger als Mariannenstr., Kopfsteinpflaster, bedeutet erhebliche Verschlechterung für die Anwohner durch steigende Lautstärke, mehr Unruhe und mehr Bewegung, außerdem befindet sich hier die Hunsrück-Grundschule).

  • 30km/h-Zonen für PKW auf breiten Hauptverkehrsadern der Innenstadt: etliche Studien haben belegt, dass der CO2-, bzw. Schadstoff-Ausstoß durch die Tempobeschränkung eher noch steigt, da der Treibstoff nicht heiß genug verbrannt wird. „Für den 2. Gang zu hoch-tourig, für den 3. Gang zu niedrig-tourig“.

  • Verkehrsfluss-fördernde Ampelschaltungen auf Hauptverkehrsadern. Vermeidung von ständigem abbremsen und anfahren. Anfahrverzögerung durch Stop-/Start-Automatik mitdenken.

  • Prüfung ob Stop-/Start-Automatik von PKW bei vorherrschender Verkehrssituation wirklich zur Vermeidung von Schadstoffen beiträgt. Oder ob dies auch nur unter „Laborbedingungen“ der Entwickler positiv wirkt (Bsp. Dieselskandal).

  • Pop-Up-Fahrradwege auf allen dafür geeigneten (breiten) Straßen im Innenstadtbereich.

  • Genügend freie Park- und Rangierflächen für Anlieferung von Gütern und für Handwerker. (Bsp: Entfernung der Glasrecyclincontainer nach Quersperrung an Cuvry/Wrangelstr., da die LKW nicht mehr laden können).

Townhouses“ am Heckmannufer? was sollen diese zur Problemlösung im Kiez beitragen? Gibt es dazu staatliche Finanzierungsmodelle? Sind zusätzliche Sozialarbeiter / Streetworker / Krankenpflegekräfte mit finanzierten Arbeitsplätzen angedacht? An dieser Stelle besteht sehr großer Bedarf, der wertschätzend entlohnt werden muss. Es wäre schön, wenn sich Sozialarbeiter verstärkt um die aktuell bestehenden Drogen- und Obdachlosigkeits-Probleme im Kiez kümmern könnten. Einen guten Ansatz dazu sehen wir in der Arbeit der „Parkläufer“ und „Gangway“.

  • Außerdem sollten wir bedenken, dass wir in einer Großstadt leben und das wählen die Bewohner in der Regel bewusst und nach bestimmten Kriterien. Der „Dorfcharakter“ des Wrangelkiezes stellte zwar bisher eine besonders lebenswerte Umgebung dar, wozu auch die Gesamtlage in einer Umgebung mit viel Wasser und Wald, Naherholungsmöglichkeiten etc. gehört, ist allerdings stark gefährdet. Dies für alle Bewohner (Alte, Mittelalte, Junge, Gewerbetreibende) wieder erlebbar zu machen wäre ein anstrebenswertes Ziel. Die Gentrifizierung muss gestoppt werden. Die Durchmischung mit auch nicht so gut verdienenden Menschen und Familien muss unbedingt erhalten (wieder hergestellt) werden.  

  • Der Einzelhandel und die kleinen Geschäfte tragen sehr zum speziellen Flair bei und sind deshalb essentiell für das Bestehen des Zusammenhaltes im Kiez. Wenn dies weiterhin den Charakter gestalten soll, ist es notwendig die Gewerbemieten zu deckeln und ein besonderer Kündigungsschutz für Gewerbetreibende muss installiert werden.  

Keine Aufenthaltspadlets in der Wrangelstraße: die Belieferungen des (wohlgemerkt gewollten Gewerbes, als ein ausschlaggebender Faktor für den Kiez), beginnen früh am Morgen, da wäre es schön, wenn man nicht noch Party die ganze Nacht vorm Fenster hat. Bsp: rücksichtslose „Schallverschmutze“r auf den Sitzgelegenheiten um die Baumscheiben, die keine Nachtruhe kennen (weil sie dann tagsüber alkoholisiert ihren Rausch ausschlafend in Hauseingängen wiederzufinden sind).

  • Reduzierung der EC-Kartenautomaten in Hauseingängen, wegen Licht- und Bewegungsverschmutzung durch ständig wechselnde Farben und Helligkeitsstufen, nerviges Brummen durch Lüftung! (und wer braucht so viele Geldautomaten?).

 

Zur Verbesserung der Situation im Kiez könnte unserer Meinung nach eine

  • Arbeitserlaubnis für Asylbewerber beitragen: Wie kann Perspektivlosigkeit, die z.T über Jahrzehnte besteht, verhindert werden? Was entsteht als Ausweg aus der derzeitigen Gesetzgebung: Kriminalisierung (Gelderwerb als Dealer). Es sollte die Möglichkeit zur Ausbildung und Selbst-verantwortung / -ständigkeit gefördert werden.  

Das vorgeschlagene Modell richtet sich unserer Meinung nach nicht, nach den Bedürfnissen der Mehrzahl der Bewohner des Wrangelkiezes. Es wäre wichtig die Kommunikation nicht nur auf dem Wege des Internets zu beschreiten. Es gibt durchaus Menschen, die eher auf Plakatierung, Wurfsendung und persönliche Ansprache reagieren. Nicht jede Lebensrealität ist in der Lage regelmäßig an Initiativgruppen teilzunehmen.  

Wir hoffen, mit unseren Hinweisen zu einem produktiven Dialog beitragen zu können.

Und entschuldigen uns vorsorglich für nicht absolut „politisch korrekte" und genderrechte Sprache (wir üben noch).

 

S. Pfefferkorn, Ellen van der Jahn

MittenDrinImWrangelkiez erstellt am
Referenznr.: 2021-11135