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Maßnahmen gegen Radverkehr auf Gehwegen (und allgemein zur Förderung des Fußverkehrs)

Problem: Obwohl Radfahren auf Gehwegen aus gutem Grund nicht erlaubt ist (Ausnahme: Kinder unter zehn Jahre und begleitende Erwachsene bei Kindern unter acht Jahren), gab es seit jeher immer dann keine Schwierigkeiten, wenn einzelne Radfahrer, ausnahmsweise, mit sehr reduzierter Geschwindigkeit, mit Blickkontakt zu entgegenkommenden Fußgängern und mit Rücksichtnahme (dazu gehört auch das Mitdenken, dass Fußgänger, insbesondere Kinder, auch unberechenbar ausscheren und die Richtung wechseln können) und in sicherer Entfernung von den Hauseingängen, kurze Teilstrecken auf dem Gehweg zurücklegen. Die heutige Realität im Wrangelkiez ist eine andere, selbst auf fahrradgerecht verkehrsberuhigten (teilasphaltiert oder Fugenverfüllung mit neuverlegtem Kopfsteinpflaster) Straßen wie der Oppelner, südlichen Falckensteinstraße oder der Sorauer Straße fahren Radfahrer zu gleichen Teilen oder bisweilen überwiegend auf dem Gehweg. Allein die Masse des Radverkehrs auf den Gehwegen, insbesondere aber die rücksichtslosen Fahrer (bewusst oder unbewusst) bedeuten eine erhebliche Beeinträchtigung des Fußverkehrs, insbesondere gegenüber häufig älteren, insbesondere auch den seh- oder mobilitätseingeschränkten oder auch ängstlichen Personen und auch eine Beeinträchtigung von spielenden Kindern. Es ist nicht hinzunehmen, dass diese Verkehrsteilnehmer oder Personengruppen, für die ausschließlich die Gehwege errichtet sind, weiterhin in dem Maße wie bisher durch Radfahrer verängstigt, eingeschränkt und gefährdet werden. Spielende Kinder sollen die Gehwege künftig wieder zurückerobern und gefahrlos benutzen können.

Maßnahme 1: Es muss ein generelles Konzept zur Sicherung eines gefahrlosen und komfortablen Fußgängerverkehrs im Wrangelkiez (einschließlich der Nutzung der Aufenthaltsflächen) mit detaillierter Problemanalyse und Maßnahmenvorschlägen aufgestellt werden.

Maßnahme 2: Selbst auf Gehwegen, die anderenorts mitunter für die Mitbenutzung von Radfahrern geöffnet werden, dürfen diese dort nur in Schrittgeschwindigkeit fahren – zum berechtigten Schutz der Fußgänger. Wer aber ohnehin in Schrittgeschwindigkeit fährt, hat auch keinen Geschwindigkeitsnachteil, wenn er absteigt und sein Fahrrad schiebt. Daher sollte in einem generationsübergreifenden, inklusiven, fußgänger- und kinderfreundlichen Wrangelkiez gelten, dass Radfahren auf dem Gehweg generell unerlaubt bleibt und das Radfahrverbot durch eine Vielzahl kreativer Maßnahmen umgesetzt wird: hierzu soll eine entsprechende Projektliste mit geeigneten Maßnahmen für das gesamte Fußwegenetz erstellt werden.

Maßnahme 3: Als Sofortmaßnahme können am Beginn der beiden Gehwege der Oppelner Straße in Höhe der Görlitzer Straße großflächige Hinweise aufgemalt werden, z. B. Durchmesser 1,5 m, z. B. in gedämpften Rot, Inhalt z. B.: „Radfahrer bitte absteigen“.  Diese Art von Kennzeichnung sollte prinzipiell im Kiez durchaus flächendeckend oder aber an möglichst vielen, entscheidenden Stellen auf die Gehwege aufgebracht und bei Bedarf auch regelmäßig erneuert werden.

Maßnahme 4: Kiezaktion „Tag des Zorns“. Schleichend haben Fußgänger, die sich durch den rechtlich auf Fußwegen ohnehin unzulässigen Radverkehr eingeschränkt oder gefährdet sehen, den immer umfangreicheren Radverkehr (mit Ausnahme von radfahrenden Kindern und begleitenden Erwachsenden) auf den Gehwegen hingenommen. Das Problem ist auch: die langsamen Radler, die man deshalb auch ansprechen kann, zum Absteigen zu motivieren, löst das Problem nicht und die schnellen Radfahrer kommen oft so unvermittelt oder wirken auch abwesend und sind häufig nicht leicht ansprechbar. Trotzdem ist die Unzufriedenheit unter der Fußgängern inzwischen groß. Außerdem möchten viele entspannt ihren Tag genießen und nicht kontinuierlich wegen Bitten mit einem gewissen erzieherischem Touch in Auseinandersetzungen mit Radfahrern geraten. Idee: An einem jährlichen Aktionstag sind alle Wrangelkiezbewohner aufgerufen, wirklich jeden Radfahrer auf dem Gehweg zu stoppen, anzusprechen und höflich darauf hinzuweisen, dass er/sie bei Fußgängern und spielenden Kindern für Unbehagen und auch zu einer Gefährdungslage führt und daher bitte entweder auf dem Gehweg das Rad schieben oder auf der Straße radeln möge. Gleichzeitig kann mal Infozettel zum Thema verteilen und insgesamt informierend – freundlich auftreten. Solche Aktionstage können sehr effektiv sein, sie fördern die Solidarität der Fußgänger, die können das Verkehrsverhalten zumindest der einsichtigen (und oft auch unreflektiert auf dem Gehweg fahrenden) Radfahrer ändern und die Initiative fördern, sich öfter auch den rücksichtslosen Schnellradlern entgegenzustellen.

Dirk Faulenbach erstellt am
Referenznr.: 2021-11116

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