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Bibliothek - Gesellschaft - Geschichte - Architektur

Raum und Infrastruktur

Bibliothek im politischen (Stadt-)Raum „Wer den Zustand der Welt, in der wir leben, nicht sieht, hat schwerlich etwas über sie zu sagen.“ (Elias Canetti „Der Beruf des Dichters“, 1976). Die Frage, ob eine Bibliothek sehend machen kann und Diskussion herausfordert, beinhaltet den Anspruch auf eine (Mit-)Verantwortung für die soziale und politische Verfassung der Gesellschaft. Bibliotheken sind Adressaten von Politik und sollten Politik auch als Handlungsfeld betrachten, Themen eine Bühne geben, Gastgeber und Multiplikatoren für eine kreative Politikentwicklung in der Gesellschaft sein. Die Bibliothek der Zukunft ist ein Ort demokratischer Bildung und ein Ort an dem Demokratie im Stadtraum erprobt und gelebt werden kann. Der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den professionellen Entwicklern der neuen Bibliothek und interessierten Nutzer*innen der ZLB/AGB im Rahmen des Planungs-, Entwurfs- und Entscheidungsfindungsprozesses für den Neubau wäre ein guter Auftakt für diese zukünftige Bibliotheks-Kultur = „Politik“. Die Präsentation von Ideenskizzen/Entwürfen, eine Kommentar-Wand, Sprechstunden, Diskussions-Foren, Workshops sind denkbare Formate. Mit einem derartigen Ansatz begibt sich die ZLB/AGB in gute Gesellschaft - denn auch im Ausstellungs- und Museumsbereich z. B. hat die Diskussion über die politische Rolle kultureller Institutionen an Bedeutung gewonnen.

Architektur des Erzählens Die architektonisch-räumliche und konzeptionelle Infrastruktur der zukünftigen ZLB sollte einen Ort schaffen, um Geschichte(n), Wissen und Ideen auszutauschen, Kommunikation und Kooperation zu entfalten. Darüber hinaus könnte in den gesamten Gebäudekomplex ein Netz von Medienelementen und Ausstellungsfenstern, z. B. zum Thema „Bibliothek und Geschichte“, eingebettet werden. Eine Bereicherung wäre in diesem Kontext auch eine Glocke an der neuen Bibliothek. Bücher und Glocken verbindet ein gemeinsames Schicksal. Sie wurden durch Totalitarismus und Krieg im 20. Jahrhundert immer wieder zum Verstummen gebracht.

Bewegliche Architektur Das „Prinzip Vorläufigkeit/Verwandlung“, das partielle Anpassungen der neuen Bibliothek an zukünftige, neue Bedürfnisse nachfolgender Generationen ermöglicht, sollte bei dem Neubau- projekt berücksichtigt werden. Kurz-, mittel- und langfristige Verfeinerungen, Veränderungen und Ergänzungen sollten deshalb in der Struktur und baulichen Gestaltung des Bibliotheks-Areals möglich sein. Denkbar wären z. B. mehrere kleine - ggf. demontierbare/auswechselbare - Haus-Einheiten innerhalb einer großen Gebäudehülle. Die Architekturgeschichte bietet Beispiele und Anregungen für diesen Ansatz.

Matisse
Referenznr.: 2019-04151