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Keine weiteren Tests am lebenden Objekt

Hinweis

Nehme ich die Zielsetzung "Berliner Begegnungszonen" ernst, wird sie in der Bergmannstraße scheitern. In ihr „soll das zu Fuß gehen einfacher und sicherer, die Aufenthaltsqualität gefördert und das rücksichtsvolle Miteinander Aller im Straßenverkehr gestärkt werden.“

Die einseitige Benachteiligung des motorisierten Verkehrs durch Reduzierung der Parkflächen und der Verengung der Straßenführung führt zu einem Ansteigen des Verkehrs (Stichwort Parkplatzsuchverkehr), zu vermehrten Haltens in der 2. Reihe, zu einem Verdrängungswettbewerb zwischen dem motorisierten Verkehr mit Fahrradfahrenden um das Durchkommen.

Ohnehin ist mir als seit der Jahrtausendwende hier Wohnender die Problemlage nicht ersichtlich. Die Bergmann ist eine lebendige Straße mit zentraler Funktionalität für uns Anwohner und auch für angrenzende Kieze - medizinische Versorgung, Supermärkte, Drogerie, Essen & Trinken, Ketten unabhängige Läden etc. Dies führt zu vielen Menschen, die sich in diesem Straßenzug bewegen und aufhalten, auf der Straße, auf den Gehwegen, im PKW, auf dem Fahrrad, zu Fuß etc. Ja, manchmal sogar bis an die Kapazitätsgrenzen. Na und, ich nenne das großstädtisches Leben, das erstaunlicherweise weitgehend frei von Konflikten geblieben ist. Luft nach oben gibt es aber immer, dann allerdings wären einfache und somit auch kostengünstige Maßnahmen (Aufstellen von Bänken, das Anlegen von einem oder zwei weiteren barrierefreien Fußgängerüberwegen) der Zielsetzung dienlicher gewesen.

Das Aufstellen von zu vielen und dazu sehr hässlichen „Parklets“ wird die Lebensqualität der hier Wohnenden jedenfalls nicht steigern. Diese werden hauptsächlich von Touris genutzt, mit negativen Auswirkungen auf Müll und Lärm. Ein besonderes Schmankerl sind die „Rampen“, die das barrierefreie Überqueren der Straße erleichtern sollen. Genutzt werden diese durch Zweiradfahrer und Zulieferer mit Sackkarren.

Aber es gibt vielleicht eine heimliche Agenda, die mit der Begegnungszone verfolgt wird, nämlich die Einhegung des motorisierten Individualverkehrs. Ist grundsätzlich eine gute Zielsetzung, wird hier allerdings mit untauglichen, weil kontraproduktiven, hässlichen und für alle Beteiligten auch zusätzlich belastenden Maßnahmen angegangen. Ohnehin gilt, solange es keinen attraktiven, sprich verlässlichen und kostengünstigen ÖPNV gibt, solange wird auch die Masse der heute Autofahrenden nicht umsteigen (können). Oder aber es gibt im Hintergrund ein gut geöltes Netzwerk aus Politik, Verwaltung und Planern, die unbeirrt trotz frühzeitig und massiv vorgetragener Kritik an der Begegnungszone festhalten.

Also: Stopp aller Maßnahmen, Rückbau, einmal schütteln, Kopf frei kriegen und den Anwohnerdialog erneut beginnen, diesmal ergebnisoffen und ohne Absicht, ein Konzept durchzudrücken.

Radolf in der Solms
Referenznr.: 2018-03873