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Zeitgeschichte sichtbar machen - Gegenwart reflektieren. Der CpC als Nachdenkort.

Berlin ist durch seine Geschichte ein prädestinierter Ort, der eindrucksvoll vermitteln kann, zu was Feindbilder und Totalitarismus führen können, aber auch, wie Feindbildwelten und Diktaturen überwindbar sind. Der Checkpoint Charlie ist dafür ein besonderer Symbolort. Nicht nur seines ehemaligen, internationalen Grenzkontrollpunkts wegen, sondern vor allem durch die hier so explizit sichtbar gewordene (Panzer-)Konfrontation der Weltmachtblöcke im Kalten Krieg Ende August 1961. Kaum irgendwo in Berlin kann durch solche Bilder besser erläutert werden, zu welchem Irrsinn Feindbilder führten - mit der Mauer als betoniertem Brett vorm Kopf. Zugleich wird an diesem Ort aber auch sichtbar, wie es gelang diese ideologisch bornierte Grenze 1989 zu überwinden - ausgedrückt nicht nur durch Bilder des spontanen Volksfestes hier in der Nacht vom 9. auf den 10. November (sogar ein Tanzbär war damals am CpC mit auf der Straße). Bildstark ist beispielsweise auch das symbolische "Wiedervereinigungs-Konzert" von Mstislaw Rostropowitsch am 11.11.89 vor der Mauer neben dem CpC. Auf vielfältige Weise ist an diesem Ort solch ein Zeitsprung möglich - zurück in eine für nachgewachsene Generationen schier unvorstellbare Konfrontationsepoche. Bilder dazu auch in diesem Video der bpb. Gewiss wird der facettenreiche Kalte Krieg im geplanten (leider weitgehend unterirdischen) Museum vor Ort multimedial aufbereitet. Doch genauso wichtig ist es, diese Geschichte bitte auch weiterhin Passanten auf der unbedingt zu erhaltenden Freifläche mittels Großfotos, Videomonitoren und Informationssäulen in den Laufweg zu stellen. Bleiben nicht jetzt schon  tagtäglich zahllose Menschen vor den bislang sichtbaren Bauzaunbildern am Checkpoint neugierig stehen, weil auf ihnen die Zeitgeschichte des CpC besonders anschaulich wird? Sie saugen diese Bildinformationen förmlich mit ihren Augen auf.

Zugleich sollte dieser geschichtsträchtige Ort für Denkanstöße stehen - also ein (seriöser) Debattenort werden, wie neue Kalte Kriege in der Welt entschärft werden können. Vielleicht sollte neben dem geplanten Museum auch ein entsprechendes historisches "Forschungslabor", also eine Art öffentlicher Lehrstuhl für Friedens- und Konfliktforschung angesiedelt werden. Ebenfalls könnte sich die (bereits in der benachbarten Friedrichstraße 50 angesiedelte) Bundeszentrale für politische Bildung hier noch stärker mit Debatten über internalionale politische Gegenwartsfragen einbringen - Konflikte zu analysieren und konstruktiv zu lösen, gibt es schließlich (weltweit) genug.  Der Checkpont Charlie als Nachdenkort. Dies zu realisieren, wäre aus meiner Sicht wichtig.

 

hokul
Referenznr.: 2018-02767