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Bauliche Ideen zur Verkehrsberuhigung und Aufwertung: Gesamtkonzepte, statt reaktionelle Maßnahmen

B-Szn bearbeitet am

(Karte per rechtsklick öffnen)

🔍 Aktueller Zustand

Der Reichenberger Kiez ist derzeit geprägt durch ein durchgängiges Netz befahrbarer Straßen – darunter viele mit historischem Kopfsteinpflaster. Der Straßenraum wird zunehmend vom motorisierten Individualverkehr dominiert, was maßgeblich durch die Umgestaltung angrenzender Hauptstraßen verursacht wurde.

Der Status quo ist durch folgende Problemlagen gekennzeichnet:

  • Nur vereinzelte Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung
  • Kaum durchgängige oder sichere Radverkehrsführungen
  • Geringe Aufenthaltsqualität für Fußgänger:innen
  • Hohe Lärmbelastung durch Durchgangsverkehr
  • Häufige Nichteinhaltung von Verkehrsregeln
  • Abbau von Parkplätzen trotz des steigenden PKW-Bestandes

     

⚠️ Kritischer Punkt: Erstickte Hauptstraßen verursachen Durchgangsverkehr

Ein zentrales Problem für die Verkehrsbelastung im Reichenberger Kiez liegt nicht im Quartier selbst, sondern in der verkehrspolitischen Entwicklung der angrenzenden Hauptstraßen:

  • Kottbusser Damm
  • Kottbusser Straße
  • Sonnenallee

Alle drei Straßen wurden in den vergangenen Jahren von zwei auf eine Fahrspur pro Richtung reduziert, ohne eine tragfähige Lösung für den entstehenden Rückstau und Ausweichverkehr zu schaffen. Diese Maßnahmen – trotz guter Absichten zur Reduktion des Autoverkehrs – haben in der Realität zu einer massiven Verlagerung des Durchgangsverkehrs in die angrenzenden Wohnkieze geführt. 

Das betrifft insbesondere:

  • Pendelverkehr, der Hauptachsen umgeht
  • Lieferverkehr, der den Kiez als Abkürzung nutzt
  • Navigationsdienste, die alternative Routen durch Nebenstraßen empfehlen

Diese Entwicklung belastet Wohnstraßen massiv, gefährdet die Sicherheit, insbesondere schwächerer Verkehrsteilnehmender und kollidiert gleichzeitig mit den Ziele der Verkehrswende.

Es ist dringend notwendig, dass die übergeordneten Verkehrsachsen wieder leistungsfähig gemacht werden. Solange das nicht geschieht, wird jeder Versuch der Verkehrsberuhigung innerhalb der Kieze unter strukturellem Druck stehen.

 

🛠️ Bauliche Vorschläge

Im Rahmen der Bürgerbeteiligung möchte ich anhand meines Planentwurfs aufzeigen, welche baulichen und verkehrsbezogenen Veränderungen den Reichenberger Kiez langlebig weiterbringen könnten:

🚲 Radverkehr

  • Klassische Fahrradstraße in der Wiener Straße ab der Ohlauer Straße
  • Klassische Fahrradstraße in der Ohlauer Straße
  • Fahrradspuren zur Vernetzung (Teilasphaltierung/flacher Pflasterstein)
  • Teilasphaltierung / flacher Pflaster in der Reichenberger Straße westlicher Teil

🚶 Verkehrsberuhigung & Querungshilfen

  • Sackgassen statt Einbahnstraßen an vielen Knotenpunkten
  • Asphaltierung Reichenberger Straße für Lärmreduktion (Ohlauer Straße bis Glogauer Straße)
  • Modalfilter an Kreuzung Mariannenstraße X Reichenberger Straße
  • Verengte, erhöhte Kreuzungen mit Zebrastreifen und flachen Pflastersteinen in historischen Straßen (Bspl. Paul-Linke-Ufer X Manteuffelstraße)
  • Pflastersteinschweller (Bspl. Gräfestraße)
  • Fußgängerzone in der südlichen Forsterstraße
  • Klappbare Poller für Einsatzfahrzeuge (Bspl. Forster Straße X Paul-Linke-Ufer)

🚗 Parkraum

  • Mehr Parkplätze durch Umstrukturierung in Querparkflächen. Hierfür habe ich ein Beispiel ausrechnen lassen: 165m Bordsteinlänge (südliche Ohlauer Straße, Westseite) Ergebnis: Parallelparken vs. Querpaken

    Kriterium                   Parallel          Quer              Unterschied (%)

    Anzahl Autos                31                91                +194 % mehr Autos

    Fläche (in m²)            328,6             819               +149 % mehr Fläche

🌳 Grünflächen & Entsiegelung

  • Entsiegelung: Ratiborstraße (nord), Liegnitzer Straße (nord), ganze Forsterstraße, Lausitzer Straße (Kanal–Wiener)
  • Begrünung, Sitzplätze, Aufwertung öffentlicher Raum

🚌 ÖPNV & Mikromobilität

  • Optimierung Bushaltestellen (M29)
  • Ausbau Jelbi-Stationen

Die Maßnahmen sollen den Kiez sicherer, grüner und lebenswerter machen – insbesondere für Fuß- und Radverkehr. Die Erreichbarkeit für Anwohnende, Lieferdienste und Einsatzfahrzeuge bleibt gewährleistet, ebenso ein funktionierendes Stellplatzangebot.

Durch die Buslinie M29 und Verfügbarkeit für Einsatzfahrzeuge und Dienstleistung bspw. BSR könnte die Reichenberger Straße nicht vollständig unterbrochen werden. Falls die Straßenbahnplanung tatsächlich vorgenommen wird, könnte man auch die evtl. baulich unterbinden.

Gleichzeitig ist klar: Ohne eine Reform der angrenzenden Hauptstraßen kann der Kiez die Folgen der übergeordneten Verkehrsverlagerung nicht allein schultern. Eine ganzheitliche Lösung auf Bezirksebene ist dringend geboten.

 

🧭 Kartenerklärung & Knotenpunkte:

  • Straßenteil A-D: Kottbusser Straße (als auch die beiden anderen genannten Hauptstraßen) als Hauptstraße refunktionalisieren, um die vom evtl. blockierten Kiez ausweichende Verkehrslast tragen zu können
  • Kreuzung A: Sackgasse zwischen Reichenberger Straße X Kottbusser Tor -> Entlastung für Kreisverkehr; evtl. Durchfahrt nur für Rad- und Taxiverkehr und Einsatzfahrzeuge
  • Kreuzung B: Kaum Veränderung, Hauptsächlich Kiezausgang für westlichen Kiezteil
  • Kreuzung C: Sackgasse zwischen Manteuffelstraße X Görlitzer Kreuzung -> Entlastung für Görlitzer Kreuzung; Klappbare Poller für Einsatzfahrzeuge -> Hunsrück Grundschule wird vom Durchgangsverkehr von der Görlitzer Kreuzung abgeschnitten
  • Kreuzung D: Kiezeingang für westlichen Kiezteil über Kottbusser Straße, folglich Richtungsänderung der Einbahnstraße nach Norden; Sackgasse Paul-Linke-Ufer Richtung Westen -> Teilung der bisher genutzten Durchfahrtsstrecke; Klappbare Poller für Einsatzfahrzeuge
  • Kreuzung E: Modalfilter um den Durchgangsverkehr zu unterbinden und den Verkehr in den Kiez zu lenken
  • Kreuzung F: Erhöhte und verengte Kreuzung -> forcierte Verlangsamung der KfZ 
  • Kreuzung G: Erhöhte und verengte Kreuzung -> forcierte Verlangsamung der KfZ 
  • Kreuzung H: Sackgasse Reichenberger Straße Richtung Osten -> Teilung der bisher genutzten Durchfahrtsstrecke
  • Straßenteil H-I: Schlängelprinzip (Bspl. Maybachufer), für ausmerksameres Fahren vor der Rosa-Parks Grundschule
  • Kreuzung I: Erhöhte und verengte Mündungen in die Forster Straße in beide Richtungen
  • Straßenteil I-V: Fußgängerzone in der aktuell bestehenden Straßenverengung; Klappbare Poller für Einsatzfahrzeuge an beiden Einmündungen
  • Kreuzung J: Erhöhte und verengte Mündungen in die Liegnitzer Straße in beide Richtungen
  • Kreuzung K: Erhöhte und verengte Mündung in die Reichenberger Straße nach Osten
  • Kreuzung L: Erhöhte und verengte Kreuzung -> forcierte Verlangsamung der KfZ 
  • Kreuzung M: Erhöhte und verengte Mündung in die Lausitzer Straße nach Süden; Kiezein- und Ausgang für westlichen Kiezteil
  • Kreuzung N: Sackgasse Wiener Straße Richtung Westen -> Teilung der bisher genutzten Durchfahrtsstrecke; Klappbare Poller für Einsatzfahrzeuge, Kiezein- und Ausgang für östlichen Kiezteil
  • Kreuzung O: Erhöhte und verengte Mündung in die Forster Straße nach Süden
  • Kreuzung P: Erhöhte und verengte Mündung in die Liegnitzer Straße nach Süden
  • Kreuzung Q: Verengte Kreuzung mit Schwellern von der Ohlauer Straße kommend
  • Kreuzung R: Erhöhte und verengte Mündung in die Ratiborstraße nach Süden
  • Kreuzung S: Erhöhte und verengte Kreuzung -> forcierte Verlangsamung der KfZ 
  • Kreuzung T: Erhöhte und verengte Kreuzung -> forcierte Verlangsamung der KfZ 
  • Kreuzung U: Sackgasse Paul-Linke-Ufer Richtung Osten -> Teilung der bisher genutzten Durchfahrtsstrecke; Zugang zwischen beiden Kiezen (Reichenberger und Reuter)
  • Kreuzung V: Erhöhte und verengte Straßenführung -> forcierte Verlangsamung der KfZ 
  • Kreuzung W: Erhöhte und verengte Kreuzung -> forcierte Verlangsamung der KfZ 
  • Kreuzung X: Sackgassen auf beiden Seiten vom Paul-Linke-Ufer -> Verkehrsfluss wird nicht gestört; Kiezein- und ausgang für östlichen Kiezteil
Referenznr.: 2025-26742