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Einschränkung Lebensqualität und Mobilität für viele

anwohnergegengentrifizierung erstellt am

Ich lehne die geplante Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone direkt vor meinem Haus ab. Wie in den meisten Fällen beruht auch dieses Projekt auf der Initiative einer relativ gesehen kleinen Gruppe von meist Bessergestellten. Angehörige aus ärmeren Schichten, aus der Arbeiterklasse, haben de facto im Entscheidungsprozess kaum realistische Einflussmöglichkeit. Aus meiner Sicht handelt es sich klar um ein Elitenprojekt und einen weiteren Schritt der Gentrifizierung im Kiez. 

Die Maßnahme scheint nach meinem Eindruck vor allem gesunden Besserverdienenden mit Lastenrädern und oft eigenen Parkplätzen in der Tiefgarage zugute zu kommen. Für ältere Anwohner wie mich, bedeutet es eine erhebliche Einschränkung der Mobilität und eine Verschlechterung der Lebensqualität.

Außerdem kommt es durch die Einrichtung von solchen verkehrsberuhigten Zonen, hier eines  „Kiezblock-Light“, regelmäßig zu:

Verlagerung des Verkehrs in bereits jetzt benachteiligte Gebiete/Straßen: Verkehr, der aus den verkehrsberuhigten Zonen verdrängt wird, wird in angrenzende Straßen umgeleitet. Das ist ja sogar erklärtes Ziel! In diesen Straßen wohnen nachweislich weniger privilegierte Menschen. Dadurch erhöht sich dort das Verkehrsaufkommen und die damit verbundenen Probleme wie Lärm, Luftverschmutzung und Sicherheitsrisiken weiter. Diese Anwohner, die oft weniger Mittel und Möglichkeiten haben, sich gegen solche Maßnahmen zu wehren, tragen die Hauptlast der Umverteilung, die vor allem privilegierteren Schichten zu Gute kommt.  Der Slogan „Entspannte Straßen für alle“ stimmt so nicht und ist ein klarer Euphemismus!

Benachteiligung mobilitätseingeschränkter Personen: Menschen mit körperlichen Einschränkungen, ältere Personen oder Familien mit kleinen Kindern sind auf eine gute Erreichbarkeit und kurze Wege angewiesen. Die Einrichtung eines Kiezblocks bringt für diese Gruppen erhebliche Nachteile und zusätzliche Herausforderungen.

Erschwerter Zugang für Rettungsdienste und Lieferverkehr: Verkehrsberuhigte Zonen erschweren in aller Regel den Zugang für Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr, was im Notfall lebenswichtige Minuten kostet.

Kosten und Aufwand: Die Umgestaltung eines Viertels in eine verkehrsberuhigte Zone erfordert erhebliche finanzielle Mittel und Ressourcen, die in Zeiten der Haushaltsnotlagen und allgegenwärtigen Kürzungen im sozialen Bereich sinnvoller zu investieren sind. Wenn denn die Gelder für Straßenbau/Infrastruktur ausgegeben werden sollen/müssen, wäre eine vollständige Asphaltierung der Reichenberger Straße vorzuziehen. Denn, wie „MRM“ hier schon kommentiert hat, wäre damit dem Hauptproblem in der Reichenberger, dem Lärm, am ehesten beizukommen ohne die krassen Nebenwirkungen einer Komplett-Umgestaltung.

Referenznr.: 2025-27562