Lernort Bücherverbrennung 2026: Veranstaltungen zu Erwin Piscator – Louise Aston – Billy Wilder – Nelly Sachs u.a.
- 2.940€
- Haus des Humanismus
Im Kontext der Kiezförderung wollen wir die erfolgreiche letztjährige Veranstaltungsreihe zur Erinnerung an die Bücherverbrennung mit sechs weiteren Veranstaltungen fortsetzen, die jeweils im Haus des Humanismus in der Potsdamer Straße 157 stattfinden. Der Lern- und Gedenkort Bücherverbrennung will über die Folgen der Bücherverbrennungen 1933 aufklären und an der Thematik Interessierte insbesondere aus Schöneberg miteinander in Kontakt bringen. Die Beschäftigung mit dem Thema soll nicht beim Gedenken stehen bleiben, sondern durch das (Wieder-)Entdecken teils großartiger Literatur Lust auf Lesen und Weiterlesen wecken, Diskussionsfreude entfachen und interessierte Menschen aus dem Kiez zusammenbringen. Alle Ereignisse, die mit der Errichtung der NS-Herrschaft und ihren Folgen zu tun haben, haben vielfache Bezüge zu Schöneberg, woran wir mit unseren Veranstaltungen auch immer erinnern wollen. So war unser Viertel beispielsweise dasjenige mit den meisten durch den NS verfolgten Schriftsteller*innen.
Ganz konkret nehmen wir runde Gedenktage von 1933 „verbannten und verbrannten Dichtern“ (J. Serke) unseres Schöneberger Viertels zum Anlass, um durch einen besonderen Abend an sie zu erinnern. Beispielsweise ist in diesem Jahr der 100. Geburtstag von Billy Wilder. Nelly Sachs erhielt vor 60 Jahren den Literaturnobelpreis, - übrigens zu ihrem 75. Geburtstag. Andere haben ebenfalls runde Geburts- oder Todestage wie z. B. die heutzutage kaum bekannten und den Nazis verhassten Frauenrechtlerinnen Louise Aston und Minna Cauer.
Alle von thematisierten Autoren haben einen meist unmittelbaren Bezug zu Schöneberg-Nord, insbesondere unserem Nollendorf-Kiez. So lebte Nelly Sachs - bis zu ihrer Flucht mit dem letzten möglichen Flieger nach Stockholm - in der Maaßenstraße nahe dem Winterfeldtplatz. Wir Kiezbewohner kennen und schätzen den Nelly-Sachs-Park, aber kennen wir auch ihr schicksalhaftes Leben, ihre Gedichte? Erwin Piscator eröffnete vor knapp 100 Jahren 1927 sein eigenes Theater, die Piscator-Bühne, in einem 1100 Plätze fassenden Theatergebäude am Nollendorfplatz. Billy Wilder wohnte in dieser Zeit nicht weit von hier am Viktoria-Luise-Platz. Dort in der Nähe, in der Heilbronner Str. 2 lebte Kurt Pinthus, während Minna Cauer in der Mansteinsteinstr. 6 ihren Wohnsitz hatte. An allen genannten Stellen befinden sich entsprechende Gedenktafeln.
Im Rahmen der Kiezförderung durch die Regionalkasse Schöneberg sind im Einzelnen 2026 im Haus des Humanismus, Potsdamer Str. 157, folgende Veranstaltungen des Lern- und Gedenkorts vorgesehen: (Beginn jeweils 18:30 Uhr)
Mittwoch, 17.6.2026: Die Piscatorbühne am Nollendorfplatz - zum 60. Todestag des Exilanten Erwin Piscator (Vortrag + Film, Thomas Tode)
Mittwoch, 26.8.2026. Louise Aston. Radikale deutsche Schriftstellerin, Frauenrechtlerin und Vorkämpferin der Märzrevolution 1848
Montag, 21.9.2026: Lang lebe Billy Wilder! Zu seinem 100. Geburtstag: „Menschen am Sonntag“ (Stummfilm von Billy Wilder, 1929). Vortrag und Projektion durch den Filmwissenschaftler Thomas Tode
Mittwoch, 7.10.2026: Kurt Pinthus. Arbeitstitel: „Menschheitsdämmerung“ - Vermittler und Vorreiter des literarischen Expressionismus: Zum 140. Geburtstag von Kurt Pinthus. Vortrag von Dr. Matthias Lentrodt
Mittwoch, 18.11.2026: Minna Cauer: Pionierin, Publizistin, Pazifistin und Verfechterin des Frauenwahlrechts (Vortrag Daniel Behringer)
Dienstag, den 1.12.2026: Nelly Sachs – jüdische Exilantin, Dichterin der Trauer, Literaturnobelpreis 1966 (Vortrag Daniel Behringer)
Bei fast allen Veranstaltungen wird es einen musikalischen Beitrag geben, - meist in Form des Gesangsduos Bielke & Voß.
Die eine Hälfte der Vorträge bei den Veranstaltungen wird durch ausgewiesene Experten abgedeckt, denen ein halbwegs angemessenes Honorar bezahlt werden muss, da sie davon leben. Die anderen Vorträge halte ich, Daniel Behringer, ehrenamtlich kostenlos. Auch die Sprecherinnen und Musikerinnen arbeiten teils ehrenamtlich bzw. verzichten auf mehr als die Hälfte eines sonst üblichen Honorars. Sämtliche eigene Arbeitsstunden mache ich ehrenamtlich und trage alle Personal- und Sachkosten bzgl. Organisation und Werbung selbst.
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