Bücherverbrennung 1933 - Fortsetzung der Veranstaltungsreihe
- 2.960€
- Haus des Humanismus
- Kultur & Bildung
- Schöneberg Nord
Ruth Landshoff-York - Erich Mühsam - Christopher Isherwood - Erich Kästner
Wir setzen die sehr erfolgreiche letztjährige Veranstaltungsreihe zum 90. Jahrestag der Bücherverbrennung in diesem Jahr mit mindestens vier weiteren Veranstaltungen fort, die in der Regel immer im Haus des Humanismus in der Potsdamer Straße 157 stattfinden. Der Lern- und Gedenkort Bücherverbrennung (L.O.B.) will vor allem über die folgenden Punkte Aufklärungsarbeit leisten und daran Interessierte zusammenführen:
In Relation zu den enormen Auswirkungen der Vernichtung von Büchern und Verfolgung der Autoren ist die fehlende Kenntnis darüber in Forschung, Lehre und vor allem im öffentlichen Bewusstsein enorm. So stellte sich z. B. erst 2013, also 80 Jahre nach den Bücherverbrennungen heraus, dass die Zahl der von der Bücherverbrennung und ihren Folgen betroffenen Buchtitel fast viermal höher ist als man bis dahin gedacht hatte. (19 000 statt 5 000 Titel).
Die Beschäftigung mit dem Thema soll beileibe nicht beim traurigen Gedenken stehen bleiben, sondern durch das (Wieder-)Entdecken teils großartiger Literatur Lust auf Lesen und Weiterlesen wecken und Freude am darüber diskutieren entfachen.
Angesichts von schon über 90 Jahren Säumnis ist es von dringender Notwendigkeit, einen festen Ort mit entsprechend ausgebildeten Personal und gesicherter Finanzierung vergleichbar etwa der Topografie des Terrors zu errichten, - eines tatsächlichen Lern- und Gedenkorts Bücherverbrennung mit vormittags Schulklassen, tagsüber Touristen und regelmäßigen Abendveranstaltungen.
Alle Ereignisse, die mit der Errichtung der NS-Herrschaft und ihren Folgen zu tun haben, haben vielfache Bezüge zu unserem Kiez beziehungsweise Stadtviertel, woran wir mit unseren Veranstaltungen auch immer erinnern wollen. So war unser Viertel beispielsweise dasjenige mit den meisten Schriftsteller*innen, die vom Nationalsozialismus verfolgt wurden.
Ganz konkret nehmen wir immer wieder runde Geburtstage oder Todestage von „verbrannten Dichtern“ (Jürgen Serke) zum Anlass, um durch eine besondere Informationsveranstaltung oder Lesung an sie zu erinnern. So jährt sich beispielsweise in diesem Jahr 2024 zur 90. Mal die Ermordung Erich Mühsams im KZ Oranienburg in der Nacht vom 9. zum 10. Juli, so dass wir mit seinen Gedichten, Liedern und anderen Texten am 10. Juli an ihn erinnern wollen. Ähnliches gilt in diesem Jahr für Ruth Landshoff-York, Erich Kästner, Christopher Isherwood. Bevorzugt denken wir an verfolgte Autoren aus Schöneberg, insbesondere unserem Nollendorf-Kiez. So kannte Erich Mühsam ein Gutteil seines Freundeskreises von der Piscatorbühne am Nollendorfplatz und wohnte zeitweise in der Elßholzstraße am Winterfeldplatz, Christopher Isherwood wohnte in der Nollendorfstraße, Ruth Landshoff-York wohnte im damaligen Schöneberg, usw.
Da wir mit unseren Veranstaltungen möglichst vielen Menschen für unsere Thematik erreichen wollen, machen wir dafür möglichst viel in die Breite gehende Werbung, indem wir beispielsweise in manch fröhlichen Stunden in belebten Straßen der Nachbarschaft Plakate anbringen, Flyer auslegen und ähnliches. Dadurch war bislang der große Vordersaal im Haus des Humanismus, Potsdamer Str. 157, auch immer gut mit durchschnittlich 50 Leuten und mehr gefüllt. Wir machen dadurch natürlich auch indirekt Werbung für das schicke, moderne Haus, was inhaltlich aber auch ganz gut zusammenpasst.
Im Einzelnen sind 2024 folgende Veranstaltungen vorgesehen:
Eine Veranstaltung zur Erinnerung an die exilierte Schriftstellerin Ruth Landshoff-York, die vor genau 120 Jahren zur Welt kam und im damaligen Schöneberg lebte. Wir arbeiten mit dem Berliner Aviva-Verlag zusammen und haben als Referenten den Experten Walter Fähndrich und werden ausgewählte Auszüge aus dem Werk von Landshoff-York vortragen, - unter anderem ein kleines Stück zum Schöneberger Lützowplatz. Ruth Landshoff-York war übrigens eine Nichte des Verlegers S. Fischer, der seinen Verlag in der Bülowstraße 90 hatte.
Am 10. Juli 2024 jährt sich zum 90. Mal die Ermordung Erich Mühsams im KZ Oranienburg. Neben anderen wird auch die Schauspielerin Isabelle Neuenfeldt aus seinen Werken lesen und singen.
Am 23. Oktober 2024 eine Veranstaltung zu dem durch das Musical Cabaret und dessen Verfilmung berühmten gewordenen Christopher Isherwood, der bis kurz vor der Machtübernahme Hitlers in der Nollendorfstraße lebte und wie die oben genannte Ruth Landshoff-York vor genau 120 Jahren geboren wurde.
Am 4.12.2024 wird es einen Leseabend aus den Werken Erich Kästners geben, der vor 125 Jahren geboren wurde und am 29. Juli seinen 50. Todestag hat. Als Kästner am Abend des 10. Mai 1933 am Berliner Bebelplatz vorbeikam, konnte er aus nächster Nähe beobachten, wie seine Bücher öffentlich verbrannt wurden.
Die Veranstaltungsreihe soll auch als weitere Werbung für das langfristige Projekt eines festen „Lern- und Gedenkorts Bücherverbrennung“ dienen. Eine wertvolle, lebenslang zusammengetragene Sammlung der von den Nazis verbrannten Bücher in Erstausgaben ist der Grundstock dieses Projekts.