Zum Inhalt springen

Verbindungsfunktion betonen - kein neues Nadelöhr schaffen!

Die Mühlendammbrücke stellt wie der gesamte Straßenzug vom Alexanderplatz bis zum Potsdamer Platz eine der wichtigsten innerstädtischen Hauptverbindungsstraßen dar. Sie dient neben der lokalen Erschließung dem Verkehr zwischen verschiedenen Bezirken der Stadt und muss leider auch den Durchgangsverkehr und Pendlerverkehr aufnehmen, weil an vielen Stellen gleichwertige Alternativen im ÖPNV fehlen und der Weiterbau der A 100 zur Frankfurter Allee als Umfahrungsmöglichkeit seit Jahren blockiert wird.

In einer Metropole gibt es unterschiedlich genutzte Bereiche: Wohngebiete, Gewerbegebiete, Erholungsgebiete...Orte höherer und geringerer Aufenthaltsqualtität. Das ist nun einmal eine Grundtatsache. Man kann nicht erwarten, dass in Berlin, in der Millionen Menschen aus unterschiedlichsten Gründen ihren täglichen Mobilitätsbedürfnissen nachgehen, überall eine hohe Aufenthaltsqualität gewährleistet werden kann.

Im Falle des Mühlendamms brauchen wir eine pragmatische Lösung, die alle Verkehrsträger angemessen berücksichtigt. Keiner verlangt eine achtspurige Straße mehr oder zehn Meter breite Fußwege. Auch der Wegfall der Parkplätze auf der Brücke ist sicher sinnvoll. Aber eine Reduktion auf zwei Fahrspuren pro Richtung für den MIV, breite Radwege und der Bau der Straßenbahn stellen doch bereits einen guten Kompromiss dar, auf den man sich verständigen könnte.

Warum kann man sich nicht in der Mitte treffen? Warum muss eine Seite immer noch mehr, noch mehr fordern? Warum gibt es immer mehr autofeindliche Planer, die nicht in der Lage sind, ganzheitliche Konzepte zu entwerfen, die alle Verkehrsträger angemessen berücksichtigen? Warum werden außerhalb von Spitzenzeiten gut funktionierende Hauptstraßen so weit zurückgebaut, bis nur noch Dauerstau herrscht? Was ist so schlecht daran, wenn Straßen noch Kapazitätsreserven aufweisen und die Brücke breiter gebaut wird?

Die Breite der Brücke sollte aus Verkehrs- UND möglichen Aufenthaltsgründen dringend erhalten werden. Die spätere Umnutzung einzelner Brückenareale ist dann immer noch möglich, wenn sich die Verkehrsbedürfnisse und der Verkehrsmix erheblich ändern sollten. Aber mal eben drei oder vier Meter anbauen, weil man zu eng gedacht hat, ist dann nicht mehr möglich.

Auch der Vorwurf einer autobahnähnlichen Schneise ist absurd, wenn an den ursprünglichen Planungen festgehalten wird. Die Sichtachsen im Verkehrsraum, ein Ergebnis der sozialistischen Stadtplanung, stellen auch einen gewissen Wert dar, den man an bestimmten Stellen bewahren sollte.

Also, liebe Planer: Beweist Realitätssinn und Weitsicht. Die Verkehrsfunktion dieser Brücke muss eindeutig Vorrang vor der Aufenthaltsfunktion haben. Übergebt deshalb den Ingenieuren und weniger den Architekten das Zepter!

 

 

alexander2021 erstellt am
Referenznr.: 2021-10917