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Wissenschaft

Wissenschaft, Forschung, Kultur und Bildung

Die IHKs der Länder Berlin und Brandenburg stimmen zu folgendem Ansatz überein:

Grundsätzlich sollten die wissenschaftspolitischen Aktivitäten beider Länder künftig noch intensiver in den Grundsatzpapieren und in ihren Rahmenbedingungen aufeinander abgestimmt werden. Denn weder in den Leitlinien der Berliner Wissenschaftspolitik (Brain City Berlin), noch in der Brandenburger Transferstrategie und der jeweiligen Hochschulentwicklungsplanung, spielt das jeweils benachbarte Bundesland eine Rolle. Mit einem deutlichen Bekenntnis zur Zusammenarbeit und einer intelligenten Verzahnung lässt sich ein deutlicher Mehrwert und eine Innovationsdynamik erzielen, von der beide Wissenschaftsstandorte profitieren.

Die Zusammenarbeit sollte v. a. durch mehr systematisch synergetisch sinnvolle Forschungs- und Hochschulprojekte in gezielt ausgewählten Handlungsfeldern (z. B. basierend auf der innoBB 2025 „Eine neue Strategie für neue Zeiten“) gefördert werden. Hinzukommen müssen infrastrukturelle Maßnahmen und Ziele für z. B. gemeinsame Institutionen oder Förderwettbewerbe, die speziell auf Zukunftsthemen der Metropolregion, akademische Fachkräftesicherung und Stärkung der Kooperationskultur fokussieren. Ziel muss sein, dass länderübergreifend auf verschiedenen Ebenen - Lehre, Forschung, Infrastruktur, Organisation und Verwaltung - konkrete Maßnahmen und institutionelle Zusammenarbeit von den Verwaltungen, Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen einfach und unbürokratisch angestoßen und dann auch umgesetzt werden können.

Beispiele hierfür sind u. a.

  • Wiederbelebung / Neuentwicklung länderübergreifender Netzwerk- und Kommunikationsformate.
  • gemeinsame Agentur Duales Studium (bisher nur im Land Brandenburg), die den bedarfsgerechten Ausbau und die Qualität dieses Bausteins der akademischen Fachkräftesicherung für die Metropolregion sichert.
  • Den Aktionsradius des Instituts für angewandte Forschung Berlin (IFAF Berlin) auf Brandenburger Hochschulen angewandter Wissenschaften ausweiten.

Wie ist der gegenwärtige Stand der Zusammenarbeit zwischen den Ländern?

  • Wissenschaftspolitische Rahmenbedingungen, haushaltsrechtliche Hürden und restriktive Bestimmungen von Förder- und Vergaberichtlinien erschweren oft eine länderübergreifende Zusammenarbeit der Verwaltungen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und damit auch der beteiligten Wirtschaft.
  • Die Hauptstadtregion ist eine facettenreiche und exzellente Wissenschafts, Forschungs- und Innovationsregion. Bei genauerer Betrachtung haben der Stadtstaat und das Flächenland - insbesondere mit Blick auf entsprechende Vergleichsstudien (z. B. des Stifterverbandes) - jedoch unterschiedliche Bedarfe. Dieses vermeintliche Hindernis wird in einzelnen Wissenschaftsbereichen bereits durch längerfristig bestehende, erfolgreiche Zusammenarbeit widerlegt, so dass von Kooperationslücken bzw. deutlichem Ausbaupotenzial für Forschung, Lehre, Infrastruktur, Organisation und Verwaltung ausgegangen werden muss.
  • Mit der im Januar 2019 beschlossenen „Gemeinsamen Innovationsstrategie innoBB 2025“ tragen beide Länder der räumlichen Nähe ihrer Innovations- und Wissenschaftslandschaft Rechnung, indem sie Synergiepotenziale erschließen, zukunftsträchtige Themenfelder identifizieren und Potenziale nutzen, die sich aus der Vernetzung und Kooperation von Akteuren und Institutionen ergeben. Gleichwohl fehlen der Neuausrichtung bisher spürbare Verbesserungen und konkrete Vorschläge mit Blick auf die Zusammenarbeit.

Wie sollte eine Zusammenarbeit der beiden Länder aussehen?

  • Rahmenbedingungen, bürokratische Anforderungen bzw. Hürden (z. B. haushaltsrechtliche oder in Förder-/Vergaberichtlinien) für die Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Einrichtungen so vereinheitlichen, vereinfachen bzw. minimieren, dass tatsächliche Motivation und Anreize zu länderübergreifenden Aktivitäten in den Wissenschaftseinrichtungen und darüber hinaus entstehen. Zur Wissenschaftsförderung könnten politisch gezielt länderübergreifende Wettbewerbe initiiert und Ausschreibungen so gestaltet sein, dass „Metropolprojekte“ eher Vorrang haben und so Anreize für eine zunehmende Berlin-Brandenburger-Kooperationskultur entstehen.
  • Kooperationslücken bzw. Ausbaupotenziale sollten umfassend mit Blick auf Möglichkeiten der Zusammenarbeit für Forschung, Lehre, Infrastruktur, Organisation und Verwaltung erfasst und auf einfache und praxisnahe Umsetzung geprüft werden.
  • Im Kontext der innoBB 2025 gilt es Neues auszuprobieren und Bewährtes fortzuführen, z. B. durch eine stärkere clusterübergreifende Kommunikation der Erfahrungen bzw. gelungener Beispiele länderübergreifender Aktivitäten und Projekte.
  • Gemeinsame Netzwerk- und Kommunikationsformate für technologie- und innovationsorientierte Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft sind nötig (auch außerhalb der innoBB 2025), um kompakt Austauschmöglichkeiten zu bieten und Projekte der Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen des jeweils anderen Bundeslandes kennenlernen zu können.

Welche konkreten Vorhaben oder Verabredungen sollten die beiden Länder hierfür treffen?

  • Rahmenbedingungen und bürokratische Anforderungen (z. B. haushaltsrechtliche oder Förder-, Ausschreibungs-, Vergaberichtlinien) auf den Prüfstand stellen und potenzielle Kooperationshindernisse aus dem Weg räumen und wo möglich Vereinheitlichungen anstreben.
  • Länderübergreifende Wettbewerbe und Ausschreibungen etc. so gestalten, dass kooperative „Metropolregionprojekte“ Vorfahrt haben.
  • Die InnoBB 2025 kommunikativ für einen stärkeren cluster- und themenübergreifenden Erfahrungsaustausch zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg aufstellen und neue Formate dafür entwickeln. Als gemeinsames Netzwerk- und Kommunikationsformat z. B. den wechselseitig organisierten „TechnologieTransferTag – T³“ wiederbeleben bzw. eine zeitgemäße Form davon. Zusätzlich (digitale) (Kurz-)Formate entwickeln, die die Stakeholder beider Bundesländer zusammenbringt. Denkbar ist auch, von den Exzellenzuniversitäten zu lernen und z. B. einen Austausch der Hochschulmanager zu etablieren.
  • Die Agentur Duales Studium Land Brandenburg auf das Land Berlin ausweiten und so einen länderübergreifenden Ausbau, Qualitätssicherung, Beratung und ein effizientes Marketing leisten. Damit kann eine Dachmarke für die Metropolregion entstehen, die das Duale Studium insgesamt stärkt.
  • Gesehen als Infrastrukturbaustein, der die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft und insbesondere das Transfergeschehen der Hochschulen angewandter Wissenschaften intensiviert, sollte geprüft werden, ob das IFAF Berlin (das bereits den WTT-Fokus auf Berliner und Brandenburger Unternehmen / Partner hat) auch auf hochschulischer Ebene seine Aktivitäten länderübergreifend ausbauen kann.
Barbara Nitsche - für die IHKs Berlin und Brandenburg
Referenznr.: 2021-09388